Benefizkonzert gelingt musikalische Entschleunigung

Michael Gees am Piano und Juris Teichmanis am Violoncello gelang die musikalische Entschleunigung vorzüglich.
Michael Gees am Piano und Juris Teichmanis am Violoncello gelang die musikalische Entschleunigung vorzüglich.
Foto: Heinrich Jung
Der Rotary-Club Gelsenkirchen Buer wollte etwas für die Seele tun. Für die Seele von Kranken und die eines Konzertpublikums. Der Versuch ist gelungen.

Gelsenkirchen..  „Entschleunigung suchen, Pausen finden, das kenne ich aus meinem Beruf sehr gut. Sie bestimmt auch, nicht wahr?“, Uwe Wildförster blickte am Sonntagabend in der Matthäuskirche in viele erwartungsfrohe Gesichter. Der Präsident des Rotary-Clubs Gelsenkirchen-Buer freute sich, zum Benefizkonzert „Moment mal… meine Seele wartet“ gut 180 Besucher begrüßen zu dürfen. Ganz entspannt im Kreise von Freunden und Familie in einer „Soiree“ Musik zu genießen, das war auch das Konzept der „Salonkonzerte“ im 19. Jahrhundert. So erklärte Michael Gees, musikalischer Leiter und Pianist des Abends, seine Idee zur Programmgestaltung.

90 Minuten voller Spielfreude und Geist

„Nur einen Satz einer Suite spielen oder eine Kantate ohne den Chor aufzuführen, das gab es vorher nicht“. Gees bat die Zuhörer, sich mit ihrer Fantasie in das Jahr 1835 nach Leipzig zu begeben, in das Haus des neuen Generalmusikdirektors des Gewandhauses, Felix Mendelssohn-Bartoldy. Das Präludium in G-Dur BWV 568 von Johann Sebastian Bach machte den Auftakt zu 90 Minuten voller Spielfreude und Geist. Hier interpretierten Gees (Klavier) und Juris Teichmanis (Violoncello) den strahlenden barocken Glanz des Alten Meisters.

Zur Bachschen Kantate über den Psalm 130,6 gesellte sich Tenor Hansjörg Mammel hinzu, Ersatz für den erkrankten Jan Kobow. Was für eine herrliche Stimme. Wunderschöne saubere Koloraturen, eine perfekte Interpretation der sehnsüchtigen Erwartung des Herrn. Mit dem Kunstlied „Du bist die Ruh“ von Franz Schubert zeigte Mammel die inbrünstige Seite der beginnenden Romantik. Nach einem immensen „crescendo“ schlich sich zuerst die Stimme davon, dann die letzten perlenden Klänge des Klaviers und am Ende ein „morendo“ des Violoncellos. Die Zuhörer riss es zu einem spontanen Applaus hin.

Erlös ist speziell für das Autismus-Programm bestimmt

Die exzellent umgesetzte Zusammenstellung brachte das Publikum über die Ruhe, zur Buße (Lied von Carl Philipp Emanuel Bach), zur Geduld (aus der Matthäuspassion) und zur Erlösung mit Variationen über eine Osterkantate. Den zweiten Teil des Konzertes beherrschte das Thema „Tod“ mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy und Ludwig van Beethoven. Es mündete in „Meeres Stille“ von Schubert und in einer „Glücklichen Fahrt“ von Michael Gees selbst komponiert.

„Wir freuen uns sehr über die vielen Besucher“, fasste Christiane Wilke vom Rotary zusammen. „Der Reinerlös der Eintrittskarten ist ja der Stiftung Sozialwerk St. Georg zugedacht, und zwar für das spezielle Autismus-Programm Teacch“. Die Rotarier hatten schon länger geplant, ein Benefizkonzert in der Matthäuskirche auszurichten, der Kontakt zur Stiftung hatte sie beflügelt. „Wir freuen uns etwas für ein Projekt zu tun, das sonst nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht.“

Teacch steht für eine Methode, die in NRW nur vom Sozialwerk St. Georg in der Therapie von autistischen Personen eingesetzt wird. Wichtig ist beim Teacch Programm, dass man sich auf das Umfeld des Autisten einlässt, seine Familie miteinbezieht, seine individuellen Ausprägungen der Erkrankung erkennt und berücksichtigt.

 
 

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