Bei der Vermarktung des Waldquartiers in Gelsenkirchen ist Weitblick gefragt

Nikos Kimerlis
Das Gelände der ehemaligen Kinderklinik rund um die Westerholter Straße am früheren Löwenpark aus der Luft betrachtet.
Das Gelände der ehemaligen Kinderklinik rund um die Westerholter Straße am früheren Löwenpark aus der Luft betrachtet.
Foto: www.blossey.eu
Für das Waldquartier im Gelsenkirchener Norden will sich die Verwaltung alle Optionen offenhalten. Auf dem Prüfstein stehen energieeffiziente Bauformen und autarke Energieversorgung. Die Hintergründe dazu lesen Sie hier.

Gelsenkirchen. Die erste Sitzung des Stadtplanungs- und Entwicklungsauschusses in 2014 war nach einer Stunde ebenso so schnell vorüber wie sie von Konsens geprägt war. Größeren Redebedarf gab es nur zu den Tagesordnungspunkten „Energiekonzept Waldquartier“ und „Überprüfung der Nutzungsoptionen des ehemaligen Kraftwerkstandortes in Gelsenkirchen-Heßler“.

Die Grünen beschäftigte in Bezug das geplante Wohnquartier in der 1a-Lage an der ehemaligen Kinderklinik die Frage, warum die Stadtverwaltung nicht schon im Vorfeld den KfW-Effizienzhaus-Standard festschreibt. Stadtdirektor Michael von der Mühlen begründete dies damit, dass sich die Stadt damit mögliche Vermarktungsoptionen verbauen könnte. „Zum anderen wird bis zur Fertigstellung des Wohnquartiers noch eine größere Zeitspanne vergehen.“

Stadt bekomme fast täglich Anfragen

Und weil sich parallel dazu die gesetzlichen Vorgaben (Energieeinsparverordnung, Anm. der Red.) noch verschärften, sei es nicht umsichtig, sich bereits schon jetzt festzulegen. „Soll heißen: Wir wollen keine Grundstücke produzieren, die hinterher wie Ladenhüter in den Regalen liegen bleiben.“ Wie sehr die Grundstücke künftige Bauherren schon jetzt reizen, zeigt die hohe Nachfrage. Die Stadt bekomme fast täglich Anfragen, hieß es.

Zur Erinnerung: Die Stadt hat ein Gutachten in Auftrag gegeben (60.000 Euro), das den avisierten Null-Energie-Standard für das Waldquartier bezogen auf Heizwärme- und/oder Haushaltsstrom prüfen soll. Mehrfamilien- als auch Einfamilienhäuser sollen unter anderem (WAZ berichtete) dort nach dem Passivhaus-Planungs-Paket gebaut werden. Und als Zukunftsperspektive wird in dem Gutachten betrachtet, welche Maßnahmen nötig sind, um eine energieautarke Siedlung zu schaffen, heißt, wie kann mehr Strom erzeugt werden als benötigt und wie könnte dieser gespeichert werden. Stichwort: Blockheizkraftwerk, Smart Grit-Technologie (siehe Info-Box).

Gelände gehört Eon

Gescheitert ist in der Sitzung ein Antrag der Grünen. Sie wollten in der Stellungnahme der Städteregion Ruhr zum neuen Landesentwicklungsplan einen Passus einfügen – in Bezug auf den früheren Kraftwerksstandort Heßler. Der Zusatz sollte dafür sorgen, dass die landwirtschaftliche Nutzung des frei werdenden Areals und der Hofbetrieb zukünftig gesichert wird. Das hätte aber zur Folge, wie der Ausschussvorsitzende Dr. Klaus Haertel (SPD) erklärte, dass „dort keine Gewerbeansiedlung mehr möglich wäre“. Zudem sprechen eigentumsrechtliche Faktoren dagegen. Das Gelände gehört Eon.

Die Stadt bevorzugt wie in dem Papier der Planungsgemeinschaft dargelegt eine „grünzugsverträgliche Gewerbenutzung“. Heißt: umwelt- und anwohnerverträgliches Gewerbe. Eine Schmiede wäre tabu, ein Malerbetrieb wohl denkbar.