Begleiterinnen im Alltag

Alltagsbegleiterin Silvia Lips (re.) bereitet gemeinsam mit Bewohnerin Marianne Hochgreve in der Wohngruppe an der Rheinelbestraße das Mittagessen vor.
Alltagsbegleiterin Silvia Lips (re.) bereitet gemeinsam mit Bewohnerin Marianne Hochgreve in der Wohngruppe an der Rheinelbestraße das Mittagessen vor.
Foto: WAZ FotoPool
18 eigens dafür geschulte Frauen arbeiten in drei APD-Häusern in Demenz-Wohngruppen. Auf dem Programm stehen etwa Kochen, Einkaufen oder Ausflüge. Die Frauen waren vorher arbeitslos.

Gelsenkirchen. Hmm, das duftet! Durch die Räume der Demenz-Wohngruppe der APD ziehen wohlriechende Schwaden von guter, alter Hausmannskost. In der Pfanne brutzeln Würste, im Topf kochen Kohlrabi, die Kartoffeln sind genau wie die Soße schon fertig. Ganz alleine würden die Bewohner das wohl nicht mehr hinbekommen. Seit dem 1. Dezember 2011 können die Senioren, die in den drei Demenz-Wohngruppen der Ambulanten Pflegedienste Gelsenkirchen (APD) wohnen, auf insgesamt 18 Alltagsbegleiterinnen zählen.

Silvia Lips (46) ist eine von ihnen. Und sie findet’s „richtig klasse“. Wie die anderen 17 Frauen war auch sie vor dieser Beschäftigung arbeitslos. Die Agentur für Arbeit Gelsenkirchen war auf sie zugekommen und hatte ihr ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnte. Nach einem knappen Jahr ohne Job steht Silvia Lips wieder unbefristet in Lohn und Brot. 1200 Euro brutto verdient man als Alltagsbegleiterin. Die Arbeitszeit beträgt zwischen 30 und 40 Stunden pro Woche – im übergreifenden Schichtdienst.

Männer nicht ausgeschlossen

„Männer waren nicht davon ausgeschlossen“, erzählt Katrin Rosentalski, Arbeitsvermittlerin bei der Arbeitsagentur Gelsenkirchen und Ansprechpartnerin für APD, über das Procedere im Vorfeld der 18 Neueinstellungen. Knapp 200 Arbeitslose waren auf die neue Job-Möglichkeit angesprochen worden, 64 seien zu Gesprächen gekommen. Die Zielgruppe war „um die 50 Jahre“ alt und Männer in diesem Alter, so vermutet die Arbeitsvermittlerin, seien für das Thema Hauswirtschaft nur schwer zu begeistern.

Drei Monate lang waren die 18 Frauen qualifiziert worden, legten anschließend eine theoretische und eine praktische Prüfung ab. Dennoch, so sagt Jutta Klinger (49) – ebenfalls frische Alltagsbegleiterin – sei der Umgang mit Demenzkranken gewöhnungsbedürftig gewesen. „Es gab erst eine Hemmschwelle. Aber man wächst schnell da rein“, sagt die ehemalige Maschinenführerin. Vor ihrer Tätigkeit bei APD war sie 15 Monate lang arbeitslos. „Eine solche Arbeit hätte ich mir vor zwei Jahren überhaupt nicht vorstellen können.“ Heute macht ihr der Umgang mit den Menschen Spaß.

250 Euro Wirtschaftsgeld pro Woche

Das neue Berufsbild der Alltagsbegleiterin geht aus der neuen Versorgungsform der Demenz-Wohngemeinschaften hervor, die wiederum aus dem Leuchtturmprojekt Demenz des Bundes entstanden. Die Anforderungen und Inhalte der Qualifizierung für das neue Berufsbild wurden durch das Berufsfortbildungswerk als geeignetem Qualifizierungsträger und der Agentur für Arbeit mit deren psychologischem Dienst in Zusammenarbeit mit den APD abgestimmt.

Das Essen bestimmen die Bewohner der Demenz-Wohngruppen in Ückendorf, Sutum und Schaffrath übrigens selbst. 250 Euro Wirtschaftsgeld steht ihnen wöchentlich zur Verfügung.

 
 

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