Bayern-Hooligans verprügelten vor Schalke-Spiel blinden Fan

Felix Laurenz
Die Ausschreitungen am Rande der Bundesliga-Partie zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern München waren offenbar noch schlimmer, als bisher bekannt.
Die Ausschreitungen am Rande der Bundesliga-Partie zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern München waren offenbar noch schlimmer, als bisher bekannt.
Foto: Archiv/imago
Ende November kam es vor der Partie zwischen Schalke 04 und dem FC Bayern zu schweren Ausschreitungen. Nun kommen schockierende Details ans Licht.

Essen. Anhänger des FC Bayern München und des VfL Bochum randalierten im Vorfeld der Bundesligapartie zwischen Bayern und dem FC Schalke in Gelsenkirchen wohl noch brutaler als bisher bekannt. NRW-Innenmister Ralf Jäger nannte in der Antwort auf eine Anfrage des FDP-Innenexperten Marc Lürbke nun neue Details.

Demnach hatten die Fans von Bayern München und dem VfL Bochum sich auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums getroffen, um gemeinsam zum Stadion des FC Schalke zu gehen. Da der Parkplatz 2,5 Kilometer von der Arena entfernt liegt und normalerweise nicht von Fans zur Anreise genutzt wird, geht die Polizei von einer "konspirativen Anreise" aus.

400 Menschen an Schlägerei beteiligt, Kind traumatisiert

Anschließend sammelten sich die Fans am Eingangsbereich Nord und gingen auf die Fans des FC Schalke 04 los. An der folgenden Schlägerei waren laut Polizei bis zu 400 Menschen beteiligt. Dabei wurden mehrere Menschen, unter anderem ein blinder Fan, verletzt. Er erlitt Hämatome und klagte nach dem Vorfall über Atemnot und Herzdruck. Außerdem sei ein zehn Jahre alter Junge seit den Geschehnissen schwer traumatisiert.

Offen bleibt, warum die Polizei eine so große Gruppe von Randalierern nicht schon vor den Angriffen identifizieren konnte. Laut der Erklärung des Innenministeriums wurde die Gruppe zwar auf der Willy-Brandt-Allee entdeckt und "lose begleitet", aber nicht als "Störer" erkannt. Nachdem die Randalierer sich auf der Adenauerallee unter andere Fußballfans gemischt hatten, konnten sie sich, so das Innenministerium, "der weiteren polizeilichen Begleitung" entziehen.

Randale war "eine Auseinandersetzung mit Ansage"

Für den FDP-Innenexperten Lürbke wirft der Bericht "mehr Fragen auf, als er beantwortet." Lürbke kritisiert auf Anfrage unserer Redaktion vor allem, dass nur 300 Beamte im Einsatz waren, obwohl die Polizei bereits im Vorfeld wusste, dass einige hundert gewaltbereite Fans zum Spiel anreisen würden: "300 Beamte gegen 300 gewaltbereite Störer reichen nicht aus." Im Grunde sei "die Randale doch eine Auseinandersetzung mit Ansage" gewesen: "Die Polizei war offenbar schlecht vorbereitet."

Insbesondere kritisiert Lürbke, dass kaum Beamte im Bereich der Nordkurve, der Schalker-Fankurve, stationiert gewesen seien. Die Krawalle werden am Donnerstag auch Thema im Innenausschuss des NRW-Landtags sein.