Ausstellung in Gelsenkirchen zeigt, wie Transsexuelle im Ruhrgebiet leben

Franziska Riepe (1.Vorsitzende transsexuelle Selbsthilfegruppe), Gelsenwasser Mitarbeiterin Sabrina Geitel, Cedric Berisha (Selbsthilfegruppe ) und die Fotografin Alisa Mouji Reimchen (vl) vor dem Plakat der „4ten Etage“.
Franziska Riepe (1.Vorsitzende transsexuelle Selbsthilfegruppe), Gelsenwasser Mitarbeiterin Sabrina Geitel, Cedric Berisha (Selbsthilfegruppe ) und die Fotografin Alisa Mouji Reimchen (vl) vor dem Plakat der „4ten Etage“.
Foto: Funke Foto Services
In der Gelsenwasser-Zentrale berichtet eine Mitarbeiterin von ihren persönlichen Erfahrungen. Sie ist Mitglied der Selbsthilfegruppe „Die 4te Etage“.

Gelsenkirchen.. Schon im Kindesalter merkte Sabrina Geitel, dass sie im falschen Körper geboren worden war: Dieser Jungenkörper, der passte einfach nicht zu ihr. Eigentlich war sie ein Mädchen, im Kopf, und im Herzen. „Zuerst merkt man nur, dass irgendetwas nicht stimmt. Aber was genau das ist, das kann man noch gar nicht benennen“, erinnert sich die 44-Jährige heute.

Lange Zeit wischte sie diese Gedanken zur Seite, lernte sogar einen „richtigen Männerjob“: „Ich habe 15 Jahre unter Tage gearbeitet, mit vollem Körpereinsatz“, erzählt die Gelsenkirchenerin, die inzwischen im Facility Management bei Gelsenwasser als Bauzeichnerin tätig ist. Auch hier kannte man sie lange als Kollegen – bis Sabrina Geitel im September 2013 ihre Abteilung zusammentrommelte und erklärte: „Ich bin jetzt eine Frau – und heiße Sabrina“.

„Für uns war das gar kein Problem und keine große Umstellung“, erzählt Dr. Joachim Basler, der Sabrina Geitels Geschlechtsanpassung und ihr „Coming Out“ vor den Kollegen als Personalleiter erlebt hat: „Wir leben ja mitten im Schmelztiegel Ruhrgebiet, und die Vielfalt der Menschen, die hier leben, spiegelt sich auch in unserem Unternehmen wider. Deshalb haben wir Frau Geitel von Anfang an ermutigt, offen mit dem Thema umzugehen“, sagt er.

Mit offenen Armen empfangen

„Auch meine direkten Kollegen haben das gut aufgenommen und mich mit offenen Armen empfangen. Niemand hat einen schrägen Spruch gebracht oder sich abgewendet. Und ein Kollege hat bei meinem Coming Out gewitzelt: ,So lange die neue Lady zum Einstand Kuchen mitbringt, finde ich das gut’“, berichtet Sabrina Geitel lachend.

Begleitet wurde ihr Weg vom Mann zur Frau nicht nur von Ärzten und Psychologen, sondern auch von der Transsexuellen Selbsthilfegruppe „Die 4te Etage“, in der sie inzwischen zum Erweiterten Vorstand gehört. „Der Austausch dort ist sehr wichtig, denn dort erfährt man von anderen, die die verschiedenen Schritte bereits durchlaufen haben, was auf einen zukommen“, sagt Sabrina Geitel.

Die Selbsthilfegruppe hat ihren Sitz in Essen, „aber wir sind inzwischen eine Anlaufstelle für das gesamte Ruhrgebiet“, erzählt die erste Vorsitzende, Franziska Riepe.

Cedrik Berisha, der selbst als Frau geboren wurde und inzwischen als Mann lebt, ergänzt das noch: „Durch das Internet finden inzwischen sehr viel mehr Leute zu uns, und sie werden auch immer jünger.“

Viele Ratsuchende sind sich anfangs selbst nicht ssicher

Zwischen zehn und 60 Jahre alt sind die Ratsuchenden. „Viele sind sich erst nicht sicher, ob sie transsexuell sind, auch bei diesem Thema können wir auf unsere Erfahrungen bauen“, so Alisa Mouji Reimchen, die lange dachte, sie sei im falschen Körper geboren, sich dann aber entschied, weiter als Frau zu leben: „Bei mir war das nur eine Phase.“

„2014 habe ich meinen Geburtsfehler korrigieren lassen“ – mit diesen Worten beschreibt Sabrina Geitel die Operation, die sie auch körperlich zur Frau werden ließ. Wie normal das Leben mit diesem neuen Körper ist, das wollen die Mitglieder der Gruppe mit der Ausstellung „Im Limbus der Geschlechter“ zeigen, die Gelsenwasser-Vorstandsvorsitzender Henning Deters am Dienstag, 12. Januar, um 10 Uhr in der Zentrale an der Willy-Brandt-Allee 26 eröffnet.

Ein Konferenzraum wird für mehrere Wochen frei geräumt, montags bis donnerstags (11 bis 18 Uhr, freitags bis 16 Uhr) kann die Öffentlichkeit die Ausstellung besuchen und mit SHG-Mitgliedern ins Gespräch kommen. „Die Fotos zeigen Leute in Alltagssituationen“, erzählt Alisa Mouji Reimchen, die die zwölf Bilder gemacht hat: Auf der Schaukel, im Büro, beim Gassigehen mit dem Hund – jeder Porträtierte durfte seine Lieblingssituation wählen. „Wir haben mit der Ausstellung schon den Essener Selbsthilfepreis gewonnen, als sie noch in der Planungsphase war“, sagt Franziska Riepe.

Info zur Selbsthilfegruppe: www.ts-shg-essen.de

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