Auf Spurensuche – Was ist mit der Baron-Spiegel GmbH geschehen?

Dieter Decker
Das Gelsenkirchener Traditionsunternehmen Baron Spiegel (gegr. 1873) hat seinen Firmensitz an der Willy-Brandt-Allee 310 aufgegeben und an das benachbarte und stark expandierende Dienstleistungsunternehmen Stölting Group GmbH verkauft.
Das Gelsenkirchener Traditionsunternehmen Baron Spiegel (gegr. 1873) hat seinen Firmensitz an der Willy-Brandt-Allee 310 aufgegeben und an das benachbarte und stark expandierende Dienstleistungsunternehmen Stölting Group GmbH verkauft.
Foto: WAZ
Ein Tipp aus der WAZ-Leserschaft sorgte für diese Spurensuche. Wo sonst gut 40 Mitarbeiter im Gebäude der Firma Baron-Spiegel GmbH hochwertige Spiegel und Glasmöbel fertigten, finden heute Umbauten statt. Das Gelände samt Gebäude hat mit der Stölting Group ein anderes Gelsenkirchener Unternehmen gekauft. Eine Spurensuche.

Gelsenkirchen. Am Firmeneingang quillt der Briefkasten über. Auf dem weitläufigen Gelände an der Willy-Brandt-Allee 310 in Erle herrscht ansonsten Ruhe. Vom einst regen Lieferbetrieb und den Kunden ist draußen weit und breit nichts zu sehen. Die Laderampen sind, wie die Eingangstür, verschlossen.

Ein Tipp aus der WAZ-Leserschaft sorgte für diese Spurensuche. Wo sonst gut 40 Mitarbeiter im Gebäude der Firma Baron-Spiegel GmbH hochwertige Spiegel und Glasmöbel fertigten, haben nun vermutlich Mitarbeiter einer Umbaufirma Stullen und Getränke auf einem Tisch abgedeckt, um sie vor der Hitze zu schützen. Sie selbst sind nicht zu sehen. Lediglich klopfen und hämmern dringen nach außen. Geräusche, die sich nach Umbau anhören.

Baron-Spiegel, das altehrwürdige Unternehmen, das im Jahr 1873 in Gelsenkirchen gegründet wurde, scheint an dem Standort nicht mehr zu existieren. Eine Nachfrage im Foyer der Stölting Service Group GmbH, vis-à-vis gelegen, bringt etwas Gewissheit aus zweiter Quelle. „Nein, Baron-Spiegel gibt es da nicht mehr. Stölting hat das Firmengebäude samt Grundstück gekauft“, lautet die Auskunft.

Stölting kaufte das Grundstück

Stölting ist ein Familien-Unternehmen, das ebenfalls zu Kaiser Wilhelms Zeiten (1899) gegründet wurde. Es hat sich im Laufe der Jahre von seinen Ursprüngen, der Glas-und Gebäudereinigung, gelöst. Der Branchenmix ist vielfältig. Security- und Personaldienste sowie Lieferservice, Veranstaltungen und Gleisbauarbeiten sind dazu gekommen, um nur einige zu nennen.

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Im Jahr 2013 machte das Unternehmen 78 Millionen Euro Jahresumsatz. Man wolle weiter expandieren, hieß es zu Jahresbeginn 2014. Doch was künftig in den Räumen von Baron-Spiegel gefertigt oder verwaltet wird, darüber gab es gegenüber der WAZ keine Auskunft. „Unser Geschäftsführer Hans Mosbacher ist im Urlaub und kommt erst im August wieder“, hieß es auf Anfrage der WAZ. Auch der Prokurist sei in den nächsten beiden Wochen nicht erreichbar.

Telefonanschluss gibt es noch

Der Versuch der Redaktion, etwas über das Schicksal der Baron-Spiegel-Mitarbeiter und das Unternehmen selbst zu erfahren, bleibt erfolglos. Den Telefonanschluss der Firma gibt es noch. Nach einer langen Weile meldet sich eine Frauenstimme, die zu Herrn Schneider weiterverbindet, der aber nichts sagt. „Fragen sie dies Herrn Ackermann“, heißt es. Andreas Ackermann ist Geschäftsführer der Gesellschaft. Eine Telefonnummer? Fehlanzeige!

Schließlich gibt es immerhin eine E-Mail-Adresse. Seit fünf Tagen ist die elektronische Anfrage der WAZ über den Verbleib der Baron-Spiegel GmbH ohne Antwort. Die Fragen per Post zu schicken, scheint auch kaum Aussicht auf Erfolg haben. Das Schreiben kommt an, wird aber wohl lediglich den ohnehin schon übervollen Briefkasten an der Willy-Brandt-Allee 310 weiter zum Überquellen bringen.