Auf den Spuren der Tramlinie 4 in Gelsenkirchen

Die Linie 4 auf der Rotthauser Straße unter der Brücke der Zechenbahn, um 1935.
Die Linie 4 auf der Rotthauser Straße unter der Brücke der Zechenbahn, um 1935.
Foto: WAZ
Das zweite Geschichts-Heft des Heimatbunds Gelsenkirchen widmet sich der Frühzeit des Straßenbahnverkehrs und liefert einen nostalgischen Bilderbogen. Autor ist Karlheinz Rabas

Gelsenkirchen.. Am Anfang war, wie so oft in einem behördlich verwalteten Gemeinwesen, das Gesetz: Im speziellen Fall war es „Das Gesetz über Kleinbahnen und Privatanschlussbahnen“. Am 28. Juli 1892 trat es in Kraft und machte den Weg frei für den Tramverkehr auch in Gelsenkirchen. Vorab war man zu Fuß, per Kutsche oder – zumindest im benachbarten Essen – per Pferdebahn innerorts unterwegs. Doch nun durften höchst offiziell auch Eisenbahnlinien gekreuzt werden, was eine Voraussetzung für die aufzubauende Verkehrsinfrastruktur war.

Die Konzession dafür war schließlich 1896 mit der Gründung der „Bochum-Gelsenkirchener- Straßenbahn Aktiengesellschaft“ und zuvor mit dem Engagement der Firma Siemens & Halske verbunden: Sie erhielt im Dezember 1893 die Genehmigung, vier Straßenbahnstrecken zu bauen – von Schalke nach Wattenscheid, vom Neumarkt zur Braubauerschaft (heute Bismarck), von der Hochstraße (heute Hauptstraße) über Bulmke und Hüllen nach Wanne-Eickel und schließlich von Gelsenkirchen (Evangelische Kirche) zur Kreisgrenze Essen. Die erste Linie wurde am 3. November 1895 eröffnet. Sie führte von der Hochstraße – versehen mit dem Grundstück für den ersten Betriebshof – über die Bismarckstraße zum Bahnhof Bismarck.

„Damit schließen wir an die Bücherreihe der 1950er Jahre an“

Die Geschichte der Tram, der Straßenbahnwagen und Strecken, des rollenden Personals und der Technik, der Betriebshöfe und der Sonderfahrzeuge hat Karlheinz Rabas in knappen Kapiteln und mit viel Bildmaterial nachgezeichnet. Sein Wissen und seine Vorträge zum Thema flossen jetzt in ein neues Heft ein, das der Heimatbund Gelsenkirchen herausgegeben hat. „Damit schließen wir an die Bücherreihe der 1950er Jahre an. Mitgliederschwund und damit auch die finanziellen Möglichkeiten verhinderten in der Folge die Veröffentlichung weiterer Bücher.“ Doch zwischenzeitlich, so Rabas, lägen eine Vielzahl von Untersuchungen und Forschungsergebnissen zu Einzelthemen der Gelsenkirchener Geschichte vor, die „nicht länger in den Archiven von Heimatbund und Stadtteilarchiv Rothausen vergraben“ bleiben sollten. So entschloss sich der Heimatbund, pro Quartal ein Geschichts-Heft zu veröffentlichen. 2014 erschien zum Herbst bereits das Heft über den „Dicken Georg“, die größte Altstadtglocke. Es war innerhalb kurzer Zeit vergriffen. Nun legt Rabas nach. „Eine 300er Auflage kriegen wir finanziell hin, das behalten wir bei.“

Besonderes Augenmerk richtet er in dem neuen Heft auf die Linie 4, die „quer durch Gelsenkirchen bis weit nach Essen rein gefahren ist“. Von Buer bis Steele ging’s im 20-Minuten-Takt. Die Fahrtzeit vor einem Jahrhundert für die 19,63 Kilometer lange Strecke lässt gemächliches Tempo erahnen: Laut Fahrplan betrug sie 100 Minuten.

Das Heft kostet 5 Euro. Verkauft wird es vom Heimatbund Gelsenkirchen oder auch im örtlichen Buchhandel, u. a. von der Buchhandlung Junius, Sparkassenstraße 4.

 
 

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