Ansturm auf Ratssitzung zu Gelsenkirchener Jugendamtsaffäre

In einer Sondersitzung tagte der Hauptausschuss des Rates der Stadt Gelsenkirchen am Montag zu den Vorwürfen der Vorteilsnahme im Amt durch den Leiter des Jugendamtes Alfons Wissmann und seinen Stellvertreter Thomas Frings. Im Bürgerfourm des Hans-Sachs-Hauses verfolgten zusätzlich rund 250 Bürger und Bürgerinnen über Lautsprecher die Sitzung.
In einer Sondersitzung tagte der Hauptausschuss des Rates der Stadt Gelsenkirchen am Montag zu den Vorwürfen der Vorteilsnahme im Amt durch den Leiter des Jugendamtes Alfons Wissmann und seinen Stellvertreter Thomas Frings. Im Bürgerfourm des Hans-Sachs-Hauses verfolgten zusätzlich rund 250 Bürger und Bürgerinnen über Lautsprecher die Sitzung.
Foto: Funke Foto Services
Die Aufarbeitung der Vorwürfe an die Jugendamtsleitung der Stadt Gelsenkirchen, mit Kinder Kasse gemacht zu haben, sorgte für großes Interesse.

Gelsenkirchen.. Der Ratssaal im Hans-Sachs-Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zahlreiche Journalisten verfolgten am Montag über vier Stunden die Sondersitzung des Gelsenkirchener Hauptausschusses, die von Oberbürgermeister Frank Baranowksi (SPD) einberufen worden war, um die Politik über den letzten Stand in Sachen Monitor-Berichterstattung „Mit Kindern Kasse machen?“ zu bringen. Viele interessierte Bürger, die keinen Platz mehr auf der Zuschauer-Galerie fanden, saßen im Bürgerforum und verfolgten dort den Sitzungsverlauf per Audio-Übertragung.

Im Zentrum der Monitor-Vorwürfe gegen die seit vergangenen Freitag freigestellten Leiter des Gelsenkirchener Jugendamtes, Alfons Wissmann und Thomas Frings, steht so etwas wie eine Dreiecksbeziehung. Die beiden sollen gezielt das Heim St. Josef in der Altstadt mit Kindern überbelegt haben, damit es mehr Geld verdient. Dafür soll St. Josef Kinder, die nicht in der Obhut des Gelsenkirchener Jugendamtes standen, zu intensivpädagogischen Maßnahmen nach Pecs in Ungarn geschickt haben. Dort wiederum hatten Wissmann und Frings im Jahr 2004 die Neustart kft gegründet und selbst ein Heim betrieben.

Geschäftsmodell Jugendhilfe? Kein Schnelldurchlauf

Die Sitzung verdeutlichte: Das Thema ist im Schnelldurchlauf nicht aus der Welt zu schaffen. Ein Gremium, das die Vorgänge bis ins letzte Detail transparent untersuchen soll, ist die zentrale und sinnvolle Forderung vieler Ratsparteien. Anders kann das Vertrauen in die gute Arbeit des Jugendamtes, dessen Ruf durch die Berichterstattung einen starken Imageschaden erlitten hat, wohl nicht wieder hergestellt werden.

Nach mehreren Berichten der Verwaltung und des Landesjugendamtes scheint sich jedoch abzuzeichnen: Die Stadt selbst war in das Modell Pecs nicht direkt verwickelt. Kinder aus Gelsenkirchen sind nie bei Neustart gewesen. Es soll auch zu keiner Zeit Zahlungen an das Unternehmen gegeben haben. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte GmbH prüft bereits im Auftrag der Verwaltung alle Verflechtungen.

Ins Zentrum der Fragen rückte schließlich: Wie konnte die Stadt im Jahr 2004 Alfons Wissmann die Nebentätigkeit erlauben, die Dr. Manfred Beck (Grüne) als Dezernent und Vorgesetzter zunächst genehmigte, ehe sie wenige Monate später vom damaligen Personaldezernenten Jochen Hampe (SPD) wieder einkassiert wurde?

Es fehlen die Möglichkeiten

Im nichtöffentlichen Teil soll es dazu am Montagabend nach WAZ-Informationen eine Antwort für die Politik gegeben haben. Demnach soll Wissmann bei der Antragstellung nicht alle Karten offen auf den Tisch gelegt haben. Von der Gründung einer Kapitalgesellschaft, um ein Heim zu führen, sei nicht die Rede gewesen. Lediglich davon, in Ungarn intensivpädagogische Maßnahmen zu organisieren. Erst als Thomas Frings seinen Antrag auf Nebentätigkeit ausführlicher formulierte, sei der Interessenkonflikt offen zu Tage getreten. Das habe zur Rücknahme der Genehmigung für Wissmann und zum Zurückziehen des Antrages von Frings geführt.

Ob Stadt und Politik den Sachverhalt restlos aufklären können, erscheint eher fraglich. Dafür fehlen beiden schlicht die Möglichkeiten. Hier ist am Ende vor allem die Staatsanwaltschaft als Ermittlungsbehörde gefordert, wie auch OB Baranowski zum Eingang der Sondersitzung ausgeführt hatte.

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