Gelsenkirchen

Anschlags-Drohungen in Essen, Gelsenkirchen und Solingen: Terror oder Trittbrettfahrer?

Linda Schreiber
Vor dem geschlossenen Kaufhof in Gelsenkirchen wissen die Menschen am Montag nicht, was los ist.
Vor dem geschlossenen Kaufhof in Gelsenkirchen wissen die Menschen am Montag nicht, was los ist.
Foto: Jürgen von Polier
  • Polizeieinsätze in Essen, Gelsenkirchen und Solingen am Samstag und Montag
  • Drei Mal Einzelhändler bzw. Einkaufszentren im Visier
  • Waren es ernstzunehmende Drohungen?

Gelsenkirchen. Der Terror-Alarm am Samstag in der Essener Innenstadt: Das Einkaufszentrum Limbecker Platz ist komplett gesperrt, Polizeihundertschaften bewachen und durchsuchen das Gebäude.

Am Abend zuvor waren der Polizei konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag bekannt geworden: Über den Facebook-Messenger soll der 24-jährige Imran René Q. aus Oberhausen drei islamistische Selbstmordattentäter beauftragt haben, sich um 16.30 Uhr im Limbecker Platz mit Bombenrucksäcken in die Luft zu sprengen. Imram René Q. ist im April 2015 über die Türkei nach Syrien ausgereist ist. Dort hat er sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Die Polizei sagt nach dem Einsatz, dass die Schließung den Anschlag „verhindert“ hat.

Zwei Tage später in Gelsenkirchen:

Beim Elektronikmarkt Saturn geht eine Bombendrohung ein. Saturn und der darüberliegende Kaufhof an der Bahnhofstraße öffnen am Montagmorgen erst gar nicht. Um 13 Uhr die Entwarnung: Keine Bombe gefunden. War es Terror?

„Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, dass die Drohung keinen terroristischen Hintergrund hat. Es handelt sich wohl um einen Trittbrettfahrer, der die aktuelle Sicherheitslage ausnutzt, um sich einen schlimmen Scherz zu erlauben“, sagt Christian Zander, Sprecher der Polizei Gelsenkirchen, am Dienstag im Gespräch mit DER WESTEN.

Die Ermittlungen gegen den noch unbekannten anonymen Briefschreiber gehen weiter. Neben strafrechtlichen Konsequenzen, die bis zur Freiheitsstrafe gehen können, droht dem Täter auch, den Polizeieinsatz sowie die Umsatzeinbußen von Saturn und Kaufhof bezahlen zu müssen.

Ebenfalls am Montag in Solingen:

Bomben-Alarm am Einkaufszentrum Solinger Hof. In sozialen Netzwerken tauchen Drohungen auf, in denen von einer „chemischen Bombe“ die Rede ist, die um 14 Uhr am Solinger Hof gezündet werden soll. Die Polizei ist mit zivilen Kräften im Einsatz, räumt das Center aber nicht. Trotzdem schließen viele der Geschäfte dort eigenständig.

Auch in Solingen fanden die Ermittler keine Bombe. Es war wohl ebenfalls ein Trittbrettfahrer, sagt Polizeisprecherin Anja Meis.

Anschlagsdrohungen kommen in Wellen

„Die polizeiliche Erfahrung zeigt, dass es nach Anschlägen oder Anschlagsdrohungen immer eine Welle an weiteren Drohungen gibt, die keinen echten terroristischen Hintergrund haben. Tatsächliche Anschläge werden eigentlich auch nie vorher angekündigt.

Auch hier laufen die Ermittlungen weiter. Wie in Gelsenkirchen gilt: Neben strafrechtlichen Folgen könnte dem Verursacher mindestens der Polizei- und Feuerwehreinsatz in Rechnung gestellt werden. „So ein Einsatz kostet mehrere Tausend Euro“, sagt Meis.

Mehr dazu:

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