Alles ist sicher. Von wegen!

Irene Stock

Gelsenkirchen. Auch auf Consol ist in den 90er Jahren Industriemüll gelandet. Das Gelsenkirchener Bergwerk gehörte seinerzeit zu den drei Versuchsbergwerken, in denen Reststoffe aus Kraftwerken, Hausmüll- und Klärschlammverbrennung etc. eingelagert wurden. Wie viele Tonnen es genau sind, konnte die RAG auf Anfrage der WAZ nicht sagen. Dazu müsse man alle Unterlagen sichten, so RAG-Sprecher Christof Beike. Die Bezirksregierung Arnsberg sichtet jetzt, will die Mengen des eingelagerten Mülls „bergwerksscharf“ ermitteln. Immerhin steht der Vorwurf im Raum, dass eine Genehmigung für die Einlagerung des Giftmülls nicht hätte erteilt werden dürfen. Denn spätestens seit dem Gutachten des Wasserexperten Dr. Harald Friedrich wächst die Skepsis, ob der Giftmüll in den ausgewählten Flözpartien wirklich so sicher liegt, wie die Bergbaubetreiber und die Genehmigungsbehörde sagen.

Zweifel an Mülleinlagerung

Das Verfahren um die Einlagerung des Mülls lässt Zweifel aufkommen, ob hier alles nach Recht und Gesetz vonstatten ging.
1. Der Sondermüll wurde damals als „Wertstoff“ behandelt. Es klingt wie Ironie, wenn die RAG heute sagt, dass man damit die Arbeit für Bergleute unter Tage sicherer machen wollte. Hohlräume, die hinter dem Steinkohlenabbau entstehen, sollten geschlossen werden, um Ausgasungen zu verhindern und die Auswirkungen über Tage (Bergsenkungen) zu reduzieren.


2. Die Verbringung in die Zechen unterlag dem Bergrecht. Wären an das Verfahren wasserrechtliche Maßstäbe gelegt worden, hätte die Deponierung niemals genehmigt werden dürfen.


RAG und Bezirksregierung besänftigen jetzt und versichern, dass alles sicher ist, keine Gefahren für die Umwelt bestehen, weil man das Verfahren wissenschaftlich und gutachterlich begleitet habe. Zudem seien alle wichtigen Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung beteiligt worden. Gerade das macht den Bürger skeptisch, denn der fragt sich: Wie kann man ernsthaft giftige Stoffe in die Erde verbringen und annehmen, dass sie dort total sicher sind?