Aktuelle Krisenherde bestimmen Kundgebung in Gelsenkirchen

Kundgebung auf dem Platz vor der Neuen Synagoge: Symbolisch legen sich die jungen Teilnehmer in weißen T-Shirts mit der Aufschrift „War no more“ am Ende  als „Opfer" auf rote Decken.
Kundgebung auf dem Platz vor der Neuen Synagoge: Symbolisch legen sich die jungen Teilnehmer in weißen T-Shirts mit der Aufschrift „War no more“ am Ende als „Opfer" auf rote Decken.
Foto: WAZ
Der DGB hatte am Montagabend zur Kundgebung auf den Platz an der Alten Synagoge eingeladen. Der Ort war bewusst gewählt. Nach antisemitischen Parolen bei einer Demo gegen den Krieg im Gaza-Streifen und nach einer Attacke gegen die Synagoge dokumentierten die Teilnahmer ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde.

Gelsenkirchen. Eintreten für Frieden, für Menschenrechte und Demokratie, Auftreten gegen Rechts, Flagge zeigen gegen Hetze(r): Wie bedeutsam diese wichtigen gesellschaftlichen Tugenden vor dem Hintergrund der aktuellen Krisenherde auf der Welt sind, das unterstrichen Montagabend Teilnehmer und Redner der DGB-Kundgebung anlässlich des Antikriegstages auf dem Platz der Alten Synagoge.

Solidarität mit jüdischer Gemeinde

Der Krieg sei wieder nahe gerückt, er dominiere die Nachrichten, sagte Oberbürgermeister Frank Baranowski in einer bewegenden Rede. Am 75. Jahrestag des Ausbruchs des 2. Weltkrieges, von Hitler-Deutschland durch den Überfall auf Polen ausgelöst, schlug er einen Bogen zu den Ereignissen, die ihn – und nicht nur ihn – am 1. September 2014 bewegen: Syrien, die Ukraine, der Gaza-Streifen, aber auch der IS, in dem „irregeleitete junge Deutsche mitkämpfen“. Nie wieder Krieg: „Es ist eine bitte Erfahrung, dass dieser Satz erneut eine so aktuelle Bedeutung hat. Dass er mehr ist als ein Echo vergangener Ereignisse.“ Baranowski bekannte: „Mir macht das alles Angst.“ Womit er den meisten Zuhörern – Politiker, Gewerkschafter, Polizei, Falken, Vertreter von Kirchen und der jüdischen Gemeinde sowie der Stadtgesellschaft – aus der Seele gesprochen haben dürfte.

Wie auch DGB-Chef Dr. Josef Hülsdünker vor ihm, unterstrich der OB, dass er und das demokratische Gelsenkirchen an der Seite der jüdischen Gemeinde stehe und verurteilte die Vorkommnisse anlässlich der Demonstrationen gegen den Krieg zwischen Israel und der Hamas. Dabei waren auch in Gelsenkirchen antisemitische Parolen laut geworden, später schlugen Vermummte mit einem Gullideckel eine Scheibe der Synagoge ein. „Diese Vorgänge“, so Baranowski, „sind in keiner Weise zu tolerieren.“

Bevor sich junge Leute in weißen T-Shirts mit dem Aufdruck „War no more“ zu einer Herzschlag-Aktion wie tot auf rote Decken legten und so eine Schweigeminute im Schatten der Neuen Synagoge einleiteten, bevor John Lenons Song „Imagine“ angestimmt wurde, ergriff die junge Gloria Tennenbaum als aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde das Wort. Sie betonte, dass der Anschlag auf die Synagoge „uns alle sehr betroffen gemacht hat“. Dass es immer noch Hass und Antisemitismus gebe. „Was ist da schief gelaufen?“ fragte die junge Frau. Und betonte, ein friedliches Zusammenleben „liegt in unseren Händen“.

 
 

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