Adidas verschmutzt Gelsenkirchener Skatepark bei Videodreh mit Julian Draxler

Die Skater Tim Barthel (li.,18) und Geron Brune (19) ärgern sich über die Werbe-Aktion der Firma Adidas, die im Skaterpark an der Willy-Brandt-Allee deutliche Spuren hinterlassen hat.
Die Skater Tim Barthel (li.,18) und Geron Brune (19) ärgern sich über die Werbe-Aktion der Firma Adidas, die im Skaterpark an der Willy-Brandt-Allee deutliche Spuren hinterlassen hat.
Foto: Martin Möller/WAZ FotoPool
Für einen Werbefilm mit Schalke-Spieler Julian Draxler trug ein Werbeteam Farbe und Werbeslogans auf einer Skate-Anlage in Gelsenkirchen auf. Man vergaß, eine Drehgenehmigung einzuholen - und die Farbe später wieder zu entfernen. Die ansässigen Skater sind sauer, Draxlers Facebook-Seite erntet erboste Kommentare.

Gelsenkirchen. „Game on. Or Game over“ - „Das Spiel läuft, oder das Spiel ist aus“, so lautet der aktuelle Werbeslogan der Firma Adidas. Mit seinem jüngsten Werbecoup hat das Unternehmen allerdings ein paar Spielregeln gebrochen: Ohne Drehgenehmigung seitens der Stadt ließ Adidas am vergangenen Wochenende Schalke-Spieler Julian Draxler auf einer Skater-Anlage in Gelsenkirchen-Erle pöhlen. Vor laufender Kamera, für ein youtube-Video.

Dabei wurde mit bunter Wandfarbe ein Spielfeld auf den grauen Betonboden gemalt, wohl in Anlehnung an das beliebte PC-Spiel „Fifa Street“, bei dem urbane Ecken in Fußballplätze umfunktioniert werden.

Julian Draxler und ein halbes Dutzend Jugendliche spielen sich mit den bunten Schuhen, für die das Video Werbung macht, den Ball zu, zielen auf einen Einkaufswagen als Tor und lassen die Schuhe auf einem Skateboard mit der Aufschrift „Ghetto“ die Rampe herunterrollen. Alles wahnsinnig cool.

Film-Team räumte nach Draxler-Dreh nicht auf

Die Krux dabei: als das Video im Kasten war, verließ das Werbe-Team die städtische Anlage, ohne die Farbe zu entfernen. Auch die markanten Werbe-Slogans, die mit Schablonen an die Skaterrampen gesprüht wurden, blieben erhalten. Sehr zum Ärger der Skater, die sich am nächsten Tag über ihr neu gestaltetes Revier ärgerten. „Erst dachten wir, dass sich hier Kinder aus der Nachbarschaft einen Scherz erlaubt haben.

Es ist nämlich schonmal vorgekommen, dass unsere Rampe mit Klebstoff verschmiert war. Dann haben wir allerdings das Youtube-Video auf Julian Draxlers Facebook-Seite gesehen. Und uns sehr darüber geärgert, dass Adidas einfach herkommt, den Platz bemalt und das einfach so lässt“, sagt Gereon Brune (19) aus Resse, der hier fast täglich skatet.

Die Skateranlage, die an der Willy-Brandt-Allee 320 liegt, ist natürlich nicht frei von Graffiti. Das Rollfeld an sich war bislang allerdings unbemalt. „Farbe auf dem Boden stört uns wirklich beim Fahren.

Und vor allem bekommt man diese Farbe hier nicht mehr aus den Klamotten raus, falls man hier stürzt. Mir hat die Farbe am Sonntag auch mein ganzes Skateboard versaut“, so Gereon Brune.

„Uns erschließt sich auch nicht, warum die zum Pöhlen nicht auf den Fußballplatz gegangen sind, der direkt neben der Skateranlage liegt“, fügt sein Kumpel Tim Barthel (18) aus Erle hinzu.

Werbeagentur holte keine Drehgenehmigung für Adidas-Spot ein

Auf Julian Draxlers Facebook-Seite lassen sich unter dem Videoclip ähnliche Kommentare finden. Manche gehen sogar noch weiter: „Wir fahren einfach zu ihrem Trainingsplatz und kacken darauf, weil Fußball scheiße ist“, so ein erboster Kommentar.

Der Stadt Gelsenkirchen lag für die öffentliche Anlage nicht einmal ein Antrag auf eine Drehgenehmigung vor. „Zwar hat eine Werbeagentur hier vor geraumer Zeit angefragt, wo denn geeignete Locations für so einen Videodreh wären, dann haben wir von denen allerdings nichts mehr gehört“, so Stadt-Sprecher Martin Schulmann.

Der FC Schalke 04, der Verein von Julian Draxler, wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern, auch Draxler selbst gibt auf seiner Facebook-Seite keine weiteren Kommentare dazu ab.

Adidas will Reinigung veranlassen

Die Firma Adidas reagierte auf eine Anfrage der Funke-Mediengruppe mit den Worten: „Wir bedauern, dass die PR-Aktion mit Julian Draxler am vergangenen Samstag in Gelsenkirchen für Unmut bei einigen Bürgern der Stadt gesorgt hat.

Es war in keinster Weise die Absicht von Adidas, die öffentlichen Flächen der Stadt Gelsenkirchen dauerhaft zu beschmutzen. Die Reiningung der betreffenden Fläche wird nach Absprache mit den zuständigen Behörden heute (Freitag, 28.Februar 2014, Anm. der Redaktion) durchgeführt.“

Die Funke-Mediengruppe bleibt natürlich dran. Game over.

 
 

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