72-Jährige als Stalking-Opfer – Nachbar angeklagt

Stalker – sie kommen aus der Anonymität und versetzen ihre Opfer in Angst und Schrecken.
Stalker – sie kommen aus der Anonymität und versetzen ihre Opfer in Angst und Schrecken.
Foto: Lutz von Staegmann
  • Täter schickt der 72-Jährigen Tierkadaver und Sex-Shop-Artikel zu
  • Auf der Anklagebank sitzt der zehn Jahre jüngere Nachbar
  • Er schweigt zu den Stalking-Vorwürfen der Staatsanwaltschaft

Gelsenkirchen.. Schlafen kann sie nicht mehr, bekommt Panikattacken. Seit Mai 2014 ist die 72 Jahre alte Gelsenkirchenerin Opfer eines Stalkers, der sie mit Briefen und Päckchen übel belästigt. Auf der Anklagebank vor der Essener Amtsrichterin Trösken sitzt seit Montag ihr Nachbar, ein 62 Jahre alter Mann. Er schweigt zu den Vorwürfen.

Noch am vergangenen Freitag ging wieder eine Nachricht des Stalkers bei der 72-Jährigen ein: Ihr Anwalt Arndt Kempgens zeigt einen Beutel mit hirnähnlicher Masse und einer orange-rötlichen Flüssigkeit. Dazu eine Nachricht: „Wäre es nicht schön, wenn du wenigstens soviel Hirn hättest?“ Die 72-Jährige: „Ich wünsche nur, dass das mal aufhört.“

Opfer und Täter kannten sich aus der Sauna

Der Angeklagte und sie sind Nachbarn im Maritim-Wohnturm. Aus der Sauna kennt man sich, aber nicht näher. Er hatte wohl mal eine Beziehung mit ihrer Freundin. Als diese sich von ihm trennte, soll er einen Streit mit der 72-Jährigen gehabt haben, heißt es in der Anklageschrift.

Kurz danach begannen die Belästigungen, über die die Frau genau Buch geführt hat. Als ihr im August 2014 verstorbener Ehemann bereits im Sterben lag, kamen die ersten Briefe. In einem Schreiben an den Mann beschuldigte er sie, diesen mit einem anderen Mann zu betrügen. Immer wieder gab es in Briefen auch sexuelle Anspielungen: „Bin ich frivol?“

Geschenkpäckchen erreichten sie, etwa mit einem Vibrator („Damit du die Männer im Haus in Ruhe lässt.“) oder mit pornografischen Aufnahmen. Und dann die Ekel-Pakete mit üblem Inhalt: Käfer lagen drinnen, Tierkadaver und abgeschnittene Fischköpfe. Oder Hundekot.

Täter produzierte Visitenkarten seines Opfers und verteilte sie

Die Postsendungen setzten ihr zu. Voller Angst öffnete sie die Päckchen. Später rief sie die Polizei und bat diese, den Inhalt freizulegen. Schließlich bekam sie auch Anrufe von Autobesitzern. Denn der Stalker hatte Visitenkarten mit ihrem Foto samt Adresse und Telefonnummer angefertigt und wahllos unter Scheibenwischer geklemmt. Darin bekannte angeblich die 72-Jährige sich zu einem Unfall.

Auf die Spur des Angeklagten kam die Polizei im vergangenen Jahr, als es aus seiner Wohnung gestunken haben soll. Sie öffnete die Tür und sah eine von der Decke baumelnde Puppe sowie am Boden einen Sarg. Auf dem Deckel lag ein Foto des verstorbenen Mannes der 72-Jährigen. Schließlich fanden die Beamten bei einer Hausdurchsuchung auch belastendes Stalkingmaterial, heißt es. Der Prozess wird fortgesetzt.

 
 

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