3500 Euro unter Waschmaschine gefunden und zurückgegeben

Als Michael Braun die kaputte Waschmaschine seiner Kundin hervorzieht, kommen Gelscheine zum Vorschein.
Als Michael Braun die kaputte Waschmaschine seiner Kundin hervorzieht, kommen Gelscheine zum Vorschein.
Foto: Michael Braun
Als ein Gelsenkirchener Unternehmer die Waschmaschine einer 89-Jährigen austauschen will, kann er es kaum glauben: Unter dem Gerät liegen 3500 Euro.

Gelsenkirchen. Als Michael Braun am Donnerstag zu einer alten Dame nach Hause kommt, um ihr eine neue Waschmaschine einzubauen, macht er einen überraschenden Fund: Unter dem alten Gerät liegt ein ganzer Packen 50-Euro-Scheine.

"Ich war zuvor schon drei Mal bei der älteren Dame, um ihre alte Waschmaschine zu reparieren", sagt Michael Braun, Chef des Gelsenkirchener Familienunternehmens Braun & Sohn. Für das rund 30 Jahre alte Gerät hätte er jedoch keine Ersatzteile mehr bekommen - für eine neue Maschine hätte die ältere Dame, die laut eigenen Angaben von 700 Euro Rente lebt, jedoch kein Geld gehabt.

Als Braun am Donnerstag dann eine günstige, gebrauchte Waschmaschine lieferte und anschließen wollte, zog er das alte Gerät von der Wand. Seine 89-Jährige Kundin sei da gerade im Badezimmer gewesen, um Putzzeug zu holen. "Das kann doch nicht wahr sein", dachte Braun, als dort, wo gerade noch die alte Waschmaschine gestanden hatte, 50-Euro-Scheine zum Vorschein kamen. "Ich habe es nicht gezählt, aber es war ein ganzer Packen."

Seniorin konnte sich nicht an Geld-Versteck erinnern

Anstatt die Abwesenheit seiner zerstreuten Kundin auszunutzen und das Geld einzustecken, habe er sie kurz darauf gefragt: "Haben Sie denn heute Geburtstag?" Als die Frau mehrmals verneint hatte, habe er wissen wollen, ob sie irgendwo in ihrer Wohnung Geld versteckt habe. "Ja, gestand sie mir, sie wisse aber nicht mehr wo", so der Unternehmer.

Als Michael Braun dann die 50-Euro-Scheine vor ihr auf den Tisch gelegt habe, hätte seine Kundin vor Freude ganz feuchte Augen bekommen. "Sie war völlig aufgelöst, wir haben uns daraufhin zusammengesetzt und gemeinsam das Geld gezählt", sagt er. Das Ergebnis: 3500 Euro. Wie lange das Geld schon in dem Versteck lag, wusste die Frau nicht.

"Ich glaube nicht, dass es heute noch selbstverständlich ist so zu handeln" sagt Michael Braun, der das Gelsenkirchener Unternehmen 2006 von seinem Vater übernahm, "doch für mich ist es das, ich wurde so erzogen." Er hatte die Geschichte über die Seite seiner Firma bei Facebook publik gemacht und innerhalb eines Tages knapp 3500 Gefällt-mir-Angaben erreicht, "Ich hätte nicht gedacht, dass das solche Ausmaße annimmt", sagt der 47-Jährige. Er habe gedacht, es sei "einfach eine schöne Sache".

Lob und Kritik an Facebook-Post

In den Kommentaren unter Michael Brauns Post findet sich eine Menge Zuspruch für den ehrlichen Finder - andere Nutzer hingegen zweifeln an der Geschichte, unterstellen dem Unternehmer, die Geschichte zu Werbezwecken erfunden zu haben. "Ich bin wirklich enttäuscht über diese Kommentare", sagt Braun. Für ihn als Selbstständigen sei es enorm wichtig, einen guten Ruf zu haben, den er für so etwas nicht auf's Spiel setzen würde. Am Freitag erreichten ihn außerdem eine Menge Anfragen, ganz nach dem Motto: Kannst du bei mir nicht auch mal suchen?

Für den ehrlichen Unternehmenschef gab es am Ende des Arbeitstages 100 Euro Finderlohn sowie eine Umarmung und ein Küsschen der glücklichen Kundin. Als Michael Braun den Heimweg antreten wollte, sagte sie noch: "Herr Braun, da war es ja doch gut, dass die alte Maschine kaputt war!"

 
 

EURE FAVORITEN