287 Tonnen schwere Kabelrollen auf dem Weg nach Singapur

Vier Haspeln mit Drahtseilen der Firma Bridon aus Gelsenkirchen wurden am Dienstag im Hafen  mit Hilfe eines Raupenkrans auf ein Transportschiff verladen.  Foto: Martin Möller
Vier Haspeln mit Drahtseilen der Firma Bridon aus Gelsenkirchen wurden am Dienstag im Hafen mit Hilfe eines Raupenkrans auf ein Transportschiff verladen. Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Mit einem Spezialkran wurden vier riesige Bridon-Stahltrossen vom Hafen aus auf den Seeweg nach Singapur geschickt. Jede Riesenrolle trägt 7650 Meter Kabel. Zwei Tage dauert der Großeinsatz bei Bridon in Schalke.

15 Meter Strecke in gefühlt zehn Minuten. Tempo ist anders. Aber Geschwindigkeits-Verhältnisse müssen neu justiert werden, wenn man in XXXL-Dimensionen arbeitet. Wenn das Fahrzeug ein senfgelber Bulle von einem Raupenkran ist, wenn 550 PS in seinem Bauch Lasten bis zu 800 Tonnen wuchten können. Wenn am Haken, an unterschenkeldicken Schäkeln, massive Gewichte schweben. Wenn vier Haspeln im Hafen zur Verladung anstehen.

Jede Riesenrolle trägt 7650 Meter Kabel, gefertigt und gewickelt bei Bridon in Schalke. Die Frachthinweise auf der Flanke der Draht-Spule weisen eine XXXL-Zahl aus: „287210 Kls. cross weight incl. cradle“ sind verzeichnet – 287 Tonnen mitsamt der Aufnahmevorrichtung wiegt jede Haspel. Im südchinesischen Meer werden die neun Zentimeter dicken Stahlseile künftig eine Bohrinsel in Position halten.

Von Gelsenkirchen über Rotterdam bis nach Singapur

Die ersten paar Kilometer der Langstrecke haben die Schwergewichte auf Tiefladern zurück gelegt. Nun ruhen sie seit einiger Zeit im Hafen an der Werftstraße auf Stahlplatten zwischen Lagerhalle und dem Mühlenwerk von Engelke & Haller. Am Kai festgemacht hat die „Salve“, die Ladeklappen sind geöffnet. Der holländische Frachter wird die vier Haspeln nach Rotterdam schippern, von dort geht es auf den Seeweg nach Singapur.

So weit ist es an diesem kühlen Dienstagmorgen noch längst nicht. Haspel eins hängt um kurz vor 10 Uhr am Haken. Einsatzleiter Werner Altenwerth ist vor Ort – und erleichtert. Alles läuft reibungslos. „Klar ist man aufgeregt. Das ist immer wieder spannend.“ Die erste Haspel liegt nach kurzem Luftweg im Bauch des Schiffes, passgenau abgesetzt von Kranführer Michael Hildebrandt. Mit Waldemar Nowak teilt er sich die Verantwortung zwischen Ausleger und Kontergewicht.

Verstärkung benötigt

„Die erste Last“, findet Altenwerth, „ist immer die wichtigste.“ Dann sieht man, ob die Planung aufgeht. Einen Steinwurf entfernt hat er seinen Schreibtisch bei Siefert an der Werftstraße 21 stehen. Dort ist der Frachttransport akribisch vorbereitet worden. Die Spedition, spezialisiert auf Schwerlastverkehr, hat in den letzten Tagen buchstäblich den Boden für den großen Auftritt bereitet. 240 Tonnen Schotter wurden aufgetragen und planiert, damit der Untergrund eben ist.

Siefert selbst kann maximal 250 Tonnen wuppen. Dafür reicht die eigene Kran-Ausstattung. Für den Hebeakt im Hafen musste daher Verstärkung her. Den Part übernahm Franz Bracht. Heinz Tschiche, Projektleiter beim Kranspezialisten aus Erwitte, verfolgt die Arbeiten. Tags zuvor ist der Terex--Raupenkran auf die extra ausgelegte Bohlenbahn gesetzt worden. Mit 34 Sattelzugladungen und sechs Schwertransportern wurde das Equipment herangeschafft. Ein Autokran steht bereit, um den Riesen mit Gegengewichten zu bestücken. Die Verschiffung ist auch ein Balance-Akt.

Haspel drei hängt um 16 Uhr am Haken. Zwei Tage rechnet Tschiche für den Einsatz, dann kann die „Salve“ ablegen. Mit acht Mann ist der Bracht-Trupp im Hafen. Alltagssgeschäft für Tschiche. Allein fünf Raupenkräne betreibt die Firma. Die Auftragslage? „Passt schon“, sagt er. Vom Hafen aus wird der Kran nach Frankfurt/Oder bugsiert. Zum nächsten XXXL-Einsatz.

 
 

EURE FAVORITEN