136 Jahre stand Preute „Im Dienste der Hausfrau“

Sibylle Raudies
Gleich zweimal war die Firma Preute 1965 an der Bahnhofstraße vertreten: einmal mit Haushaltswaren und Geschenkartikeln neben der Kaufhalle und einmal mit Vordergrund rechts mit Öfen und Herden.
Gleich zweimal war die Firma Preute 1965 an der Bahnhofstraße vertreten: einmal mit Haushaltswaren und Geschenkartikeln neben der Kaufhalle und einmal mit Vordergrund rechts mit Öfen und Herden.
Foto: WAZ
Der Schlossermeister Heinrich Preute eröffnete sein Geschäft mit „geschliffenen Mantelherden ... und Eisenwaren.“ 136 Jahre lang versorgte das Traditionsunternehmen von da an die Gelsenkirchener mit Haushaltswaren aller Art. Zu verdanken ist das nicht zuletzt dem Essener Industriellen Friedrich Grillo.

Gelsenkirchen. Eine Würdigung durch einen eigenen Platz in prominenter Lage erreichen die wenigsten lokalen Einzelhändler. Preute hat es geschafft. Zum 100-jährigen Firmenjubiläum anno 1966 „schenkte“ die Stadt Gelsenkirchen dem Unternehmen Preute den Platz an der Fußgängerzone, zwischen Bahnhof- und Grasreinerstraße, ganz nahe am Stammsitz des Unternehmens, der Bahnhofstraße 30. Seither ist es der Preuteplatz.

Heinrich Preute, der Gründer, war von Haus aus Schlossermeister. Auf der Walz hatte er den Essener Friedrich Grillo (genau DEN Grillo) kennengelernt. Später arbeitete er in Essen in dessen Unternehmen. Grillo war es auch, der ihm den Tipp gab: Mach dich doch in Gelsenkirchen selbstständig, da ist ein guter Markt für Eisenwaren aller Art.

Es war ein guter Tipp. „Sprungherde, Fournaisen, geschliffene Mantelöfen. . .“ bot die „Schlosserei verbunden mit Eisenwaren“ feil, als sie am 23. April 1866 auf der Bahnhofstraße in ehemaligen Posträumen eröffnete. Die handgefertigten, kunstvollen Platten- und Kanonenöfen fanden zunächst reißenden Absatz – bis es die Schmuckstücke fabrikgefertigt und entsprechend günstiger von Küppersbusch gab.

Handgeschmiedete Waffeleisen

Von da an – 1884 war das – stellte sich Preute um auf die Produktion von Haushaltsgeräten wie handgeschmiedeten Waffeleisen, Kaffeemühlen, Bügeleisen, Wärmeflaschen. Und der Laden brummte, Gelsenkirchen war eine wachsende Stadt. 1912 eröffnete die Familie Preute bereits eine Filiale: in der Klosterstraße 3, ein Spezialgeschäft mit (angekauften) Herden, Öfen und Waschmaschinen. Auf der Bahnhofstraße verblieben die Haushaltswaren. 1930 wurde das Sortiment erneut erweitert: Porzellan und Glaswaren kamen hinzu.

Mit Bergmannsherden ab 1946 wieder auf die Beine gekommen

Mittlerweile hatte sich die Bahnhofstraße schon zur Einkaufsstraße gemausert. Schräg gegenüber lockte das Kaufhaus der Gebrüder Alsberg – nach der „Arisierung“ 1933 das Westfalenkaufhaus „Weka“ – Kundenströme an; was Preute nicht unbedingt schadete. Im Krieg zerstörten Bomben 1944 das Stammhaus, 1945 lag das gesamte Unternehmen in Schutt und Asche.

Was Preute nach dem Krieg wieder auf die Beine brachte, war die Verteilung der Bergmannsherde ab 1946 über Bezugsscheine, die dem Kriegsheimkehrer Preute zugewiesen wurde. Schon 1950 konnte das Stammhaus wieder eröffnet werden, ab 1953 gab es eine Filiale in Erle an der Cranger Straße, ab 1956 auch in Wattenscheid – alles „Im Dienste der Hausfrau“, wie der Slogan lautete. Wobei das Sortiment weiter wuchs. Kunstgewerbe, Werkzeug, Eisenwaren, Heimwerkerbedarf, Gartenmöbel, Kinderspielzeug – Preute war vielseitig. „Haus der Geschenke“ lautete ein anderer Werbespruch.

1981 wurde das Preutehaus an der Bahnhofstraße wegen baulicher Mängel abgerissen. Hier stehen heute eine Bank, Apotheke und ein Schuhgeschäft. Preute zog damals zurück zur Klosterstraße 3. Dort boten der Urenkel des Gründers, Heinz-Dieter Preuß, und seine Frau Petra noch bis 2002 Töpfe, Pfannen, Designerbestecke und Topfreparaturen an. Im Juli räumte das Paar das Geschäft – aus gesundheitlichen Gründen, hieß es. Die Firma Preute existiert übrigens heute noch: Allerdings nur, um die Immobilien zu verwalten. Haushaltswaren gibt es hier nicht mehr.

Lesertipps und -erinnerungen gefragt

Gelsenkirchen geht es wie vielen anderen Städten: Große Filialisten bevölkern mehr und mehr die Einkaufsstraßen. Die WAZ möchte mit dieser Serie an alteingesessene Einzelhändler aus und in Gelsenkirchen erinnern. Solche, die ihr Geschäft für immer schließen mussten. Aber auch welche, die ihren Kunden bis heute die Treue halten – wie etwa Jungmann.

Das Kaufhaus Weka fehlt dabei natürlich ebenso wenig wie der einstige Gigant Möbel Rosing, die Glückauf-Brauerei, deren Bierproduktion mit der Gelsenkirchener Bevölkerung explodierte und wieder schrumpfte oder Foto Heinze. Wir haben noch viele Ideen. Ganz besonders aber würden wir uns über Ihre Erinnerungen an jene Zeiten und Erlebnisse freuen. Wenn Sie ein Traditionsgeschäft empfehlen möchten oder Erinnertes schildern: Schreiben Sie uns! An die WAZ-Redaktion, Ahstraße 12, 45879 GE oder mail an redaktion.gelsenkirchen@waz.de , Stichwort Tradition