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Zum Geschmackserlebnis aufs Land

31.05.2012 | 10:00 Uhr
Zum Geschmackserlebnis aufs Land
Der Hofladen von Martin Reimann und Lydia Reimann. Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Schaffrath. Raus aufs Land: Wer im Hofladen von Martin und Lydia Reimann einkauft, muss dieses Motto wörtlich nehmen. Einsam am Ende einer Sackgasse der Hobergstraße gelegen, umsäumt von sattgrünen Feldern liegt der Bauernhof da. Verträumt, fast verloren wirkt er am Ende des holpriges Feldwegs am Rande des Landschaftsschutzgebiets. Doch Idylle hin oder her – aus der Welt ist er nun wirklich nicht: Rohmilch von Schaffrather Kühen und deftige regionale Wurstwaren locken Stammkunden aus einem Umkreis von mehreren Kilometern an.

11 Uhr morgens, die Sonne tupft helle Lichtflecken auf die terracottafarbenen Bodenfliesen im Hofladen. Während die Kühltruhe leise surrt, stellt Landwirt Reimann (40) sein Wurstsortiment vor. Kaum hat er auf Blut-, Leber- und Jagdwurst getippt, gibt’s die erste Unterbrechung: Die Ladentür geht auf, ein Kunde hätte gerne eine ganze Palette der zugekauften Freilandeier.

„Mit der Vermarktung von Eiern und Milch haben meine Eltern in den 1970-er Jahren begonnen“, erzählt Reimann, „den Laden haben wir dann 2001 eröffnet und unser Sortiment erweitert“. Um diese Zeit etwa übernahm der Landwirt den Betrieb von seinen Eltern.

Nicht ausgesprochen üppig, aber regional und besonders frisch ist die Auswahl bei Reimanns: Sie reicht von besagter zugekaufter Wurst aus einer Lüdinghauser Landfleischerei über selbst angebaute (Belana-)Kartoffeln, zugekaufte Zwiebeln, Saisonwaren wie Spargel und Erdbeeren aus Altendorf bis hin zu Honig und selbst zubereiteten Fruchtaufstrichen. Die Rohmilch der hofeigenen Kühe aber mit dem vollmundigen Geschmack von 4 bis 4,5 Prozent Fett, sie hat besonders viele Fans gefunden. „Einige Neukunden sind so von der Milch begeistert, dass sie zu viel davon trinken und Verdauungsprobleme bekommen. Ich sage dann immer: ,Alles in Maßen!’“, berichtet der vierfache Vater schmunzelnd und wendet sich einem weiteren Kunden zu. „Nein, bis der Mais reif ist, dauert es noch“, muss er ihn enttäuschen. – Besonders Menschen mit Migrationshintergrund seien es, die nach dem Futtermais fragen. „Sie kochen und essen ihn dann wie andere Spargel“, berichtet er.

Die Neukunden, sie stehen im Zuge von Lebensmittelskandalen fast Schlange bei Reimann. „Wir bräuchten gar keine Zeitung zu lesen, um etwas über Dioxin in Eiern zu erfahren. Wir merken es am Andrang im Laden, dass da wieder irgendetwas passiert ist“, erzählt der 40-Jährige. Dabei seien es besonders junge Familien aus den umliegenden Neubaugebieten, aber auch Studenten von der Westfälischen Hochschule und natürlich viele Rentner, die auf das Geschmacks- und Qualitätserlebnis Direktvermarktung und persönliche Beratung vom Chef setzten. „Die Leute wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Und die Eltern möchten ihren Kindern das auch zeigen.“

Derlei Demonstrationsobjekte gibt’s bei Reimann zuhauf: 120 Milchkühe und Jungtiere hat Reimann zu versorgen, zudem 60 Hektar Acker mit Futtermais, -getreide und Kartoffeln zu bestellen. „Dass die Milch aus dem Euter kommt und die Kartoffeln auf dem Feld wachsen, erstaunt tatsächlich manche Mädchen und Jungen. Sie gehen zum Einkaufen in den Discounter und machen sich darüber hinaus keine Gedanken“, sagt der Vater von vier Kindern zwischen neun und 18 Jahren.

Seine Antwort darauf lautet: Aufklärung. „Pro Jahr führe ich 50 bis 60 Schulklassen über unseren Hof und erkläre ihnen, wie Landwirtschaft funktioniert. Die Lehrer sagen oft, nach einer Stunde bei uns bleibt mehr hängen als nach zwei Wochen Unterrichtstheorie.“

„Hängen“ bleiben danach aber auch hin und wieder einige Neukunden. „Manche Kinder kommen später mit ihren Eltern wieder und kaufen etwas im Hofladen.“ Nachhaltigkeit setzt sich eben durch.

Von Christiane Rautenberg

Kommentare
31.05.2012
13:12
Zum Geschmackserlebnis aufs Land
von Tamzarian | #1

Wie sind denn eigentlich die Öffnungszeiten?

Armin Tamzarian

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2012-05-31 10:00
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