„Wir schaffen uns die Probleme in Buer selbst“

In unmittelbarer Nähe der Markthalle möchte die Familie Weiser in dem ehemaligen Kaufhaus demnächst  Seniorenwohnungen errichten.
In unmittelbarer Nähe der Markthalle möchte die Familie Weiser in dem ehemaligen Kaufhaus demnächst Seniorenwohnungen errichten.
Foto: Funke Foto Services
Ein Gespräch mit Christoph Klug, dem Inhaber von LoN und Domgold, über die Kneipenszene in Gelsenkirchen-Buer, geplante Senioren- und fehlende Studentenwohnungen. Kurz: über die Zukunft des nördlichen Stadtteils

In dem ehemaligen Textilhaus Sinn-Leffers möchte die Eigentümer-Familie Weiser auch Seniorenwohnungen einrichten.

Angelika Wölke sprach mit Christoph Klug, Inhaber des Domgolds und des LoNs sowie stellv. FDP-Kreisvorsitzender, über potenzielle Konflikte, wenn chillender Couchpotatoe auf feierfreudigen Szenetyp trifft.

Sie sind sozusagen Nachbar einer Seniorenresidenz. Wie verträgt sich Kneipe, Außengastronomie und Wohnen in der City?

Christian Klug: Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, wenn Senioren in die City ziehen. Aber wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit Anwohnerbeschwerden, weil sich unsere Gäste bei schönem Wetter unterhalten haben. Das ist schräg. Wenn wir im Urlaub sind, genießen wir es, draußen zu sitzen. Zuhause schreien wir nach Ruhe.

Quadratur des Kreises

Stichwort Markthalle. Geht es nach den Plänen der Familie Weiser sollen Senioren in unmittelbare Nähe der Markthalle ziehen.

Das sehe ich skeptisch. Einerseits soll die Markthalle mit einer größeren Terrasse und Außengastronomie aufgewertet werden, andererseits sollen Senioren dort einziehen, die zum Teil ja auch berechtigt nach Ruhe verlangen. Das ist die Quadratur des Kreises.

Gibt es Möglichkeiten, hier Konflikte zu verhindern?

Natürlich. Durch rigorose Aufklärung und Auflagen zum Schallschutz. Bei den Wohnungen. Wobei ich nicht wirklich verstehe, warum hier unbedingt für Senioren geplant wird. Wir brauchen dringend Studentenwohnungen in Gelsenkirchen. Auch die werden subventioniert und junge Menschen beleben die Innenstadt.

Beispiel: Bermuda-Dreieck

Wieviel Gastronomie verträgt denn die City?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Schauen Sie doch einfach mal auf das Bochumer Bermuda-Dreieck. Da existiert Kneipe neben Kneipe. Je mehr Gastronomie wir im Angebot haben, desto mehr Menschen kommen von außerhalb bzw. kommen erst gar nicht auf den Gedanken, woanders hin zu fahren. Nicht zu vernachlässigen ist auch das subjektive Sicherheitsgefühl, das Gastronomie vermittelt. Man geht doch lieber durch belebte Straßen als durch ausgestorbene.

Apropos Konkurrenz: Bemerkt man in der Innenstadt die Ansiedlung von Café del Sol, L’Osteria & Co im Berger Feld?

Wir bemerken es zum Glück noch nicht. Aber es ist schon absurd. Wir sperren uns auf der einen Seite gegen eine Ansiedlung von IKEA in Gelsenkirchen, weil das unser Innenstadtsortiment stören würde. Andererseits setzten wir die Gastronomie auf die grüne Wiese. Wir schaffen uns unsere Probleme selbst.

Neuer Masterplan

Wohin driftet der Stadtnorden?

Noch funktioniert Buer. Aber wenn 2017 mit Sinn-Leffers der zweite Ankerpunkt wegfällt, müssen wir uns Gedanken machen. Auch darum, wie wir die hoch gelobte Kulturmeile endlich mal mit Leben füllen. Da muss langsam mal ein neuer Masterplan her.

Sie sind nicht der Einzige, der den Niedergang des Nordens prognostiziert – nach der Schließung des Finanzamtes und dem Auszug des Amtsgerichts.

Wir müssen dem ehemaligen Finanzamt ganz dringend wieder eine Seele geben. Hier könnte das Kulturamt einziehen, man könnte eine Bühne schaffen und versuchen, Galeristen anzusiedeln. Dann würde man dem Anspruch Kulturmeile wenigstens ansatzweise gerecht. Wir müssen jetzt beginnen gegenzusteuern. Wir müssen eine interessante Stadt für Menschen aus Marl und Gladbeck bleiben.

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