Wenn Familienlotsen einspringen

Angelika Schulte-Rother bedankt sich bei den Ehrenamtlichen.
Angelika Schulte-Rother bedankt sich bei den Ehrenamtlichen.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer..  Kinder: Es gibt nichts Schöneres. Eltern wissen aber auch: Es gibt nichts Anstrengenderes. Dass die Herausforderung sich gerne zur Überforderung auswächst, erst recht bei Unter-Dreijährigen, erleben die Familienlotsen des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer in Gelsenkirchen und Buer (SKFM) immer wieder – und genau da setzt ihre Hilfe an: Sie springen etwa bei der Kinderbetreuung ein, damit die Mutter Zeit hat für Haushalt, Arzt & Co. So investieren die Ehrenamtlichen viel Freizeit und Herzblut. Gestern erhielten sie dafür ein dickes Dankeschön im Rahmen des SKFM-Neujahrsempfangs.

„Wir können Ihnen gar nicht genug dafür danken, dass Sie über einen so langen Zeitraum selbstlos für andere da sind“, lobte Angelika Schulte-Rother vom ehrenamtlichen SKFM-Vorstand die Arbeit der derzeit 16 Familienlotsen. Viele hätten nach ihrer Familien- oder Berufsphase zwar Interesse an der Tätigkeit, wagten es am Ende aber doch nicht, eine solche Verpflichtung einzugehen. „Umso schöner ist es, dass Sie den Mut dazu hatten“, betonte sie im buerschen Michaelshaus.

Zuvor hatte die Projektverantwortliche Beatrix Steinrötter einen Überblick über die ersten dreieinhalb Jahre des Projekts gegeben, in denen insgesamt 29 Ehrenamtliche zwischen Mitte 40 und Anfang 70 jeweils fünf Tage geschult wurden. „Die Motivation, in diesem Bereich tätig zu werden, ergibt sich bei einigen aus der eigenen Erfahrung, früher selbst so eine Hilfe gewünscht zu haben.“

Also nehmen sich die Lotsen für einen Zeitraum von etwa einem Jahr einmal in der Woche für ein paar Stunden Zeit, um in einer ihnen zugeordneten Familie bei der Versorgung des Babys, der Betreuung der Geschwister, im Haushalt, beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen zu helfen – mit kontinuierlicher fachlicher Begleitung, versteht sich.

So wie Richarda Rüter (54) aus Buer, die mittlerweile schon in der zweiten Familie aktiv ist. „Eigentlich wollte ich die Mutter bei der Versorgung der zwei kleineren Kinder unterstützen. Mittlerweile spiele ich aber mehr mit den zwei älteren Geschwistern, weil die naturgemäß in einer größeren Familie zu kurz kommen.“ Dass da im Laufe der Monate eine engere Bindung aufgebaut wird, weiß sie nur zu gut. „Wenn ich gehe, sagt die eine Tochter immer: ,Noch mal drücken, bitte!’ Auf diese Weise eine positive Rückmeldung zu bekommen, ist schon schön“, so Richarda Rüter. Mulmig ist ihr dabei aber auch. „Ich weiß, dass ich nach einiger Zeit wieder gehen muss, da mein Einsatz als Starthilfe angelegt ist und nicht als dauerhafte Patenschaft.“

 
 

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