Weber-Haus: Inklusion geschieht beim Kochen nebenbei

Bei Pflaumen im Speckmantel lief nicht nur Joachim (Mitte) und Werner das Mund im Wasser zusammen. Mandy schnitt währenddessen die Ananas zurecht.
Bei Pflaumen im Speckmantel lief nicht nur Joachim (Mitte) und Werner das Mund im Wasser zusammen. Mandy schnitt währenddessen die Ananas zurecht.
Foto: FUNKE FotoServices
Geschäftiges Treiben herrscht in der Lehrküche des Helene-Weber-Hauses. Hier geht es spanisch zu. Die Teilnehmer des kulinarischen Tages kochen. Das Besondere: Alle sind willkommen – ob jemand nun besonderen Unterstützungsbedarf hat oder nicht.

Gelsenkirchen-Buer..  Geschäftiges Treiben herrscht in der Lehrküche des Helene-Weber-Hauses. Hier geht es am heutigen Samstag spanisch zu. Die Teilnehmer des kulinarischen Tages kochen Hackbällchen in Tomatensauce, andalusischen Salat und Pfläumchen in Speck. Das Besondere: Die Gruppe ist heterogen, alle sind willkommen – ob jemand nun besonderen Unterstützungsbedarf hat oder nicht.

Organisiert wurde das Koch-Treffen von Astrid Hornschuh vom Generationennetz. „Wir sind dabei, vor Ort die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen“, erklärt sie. „Gekommen sind Menschen von überall. Und das Tolle ist, es klappt super! Alles findet sich von ganz alleine.“ Soll heißen: Inklusion geschieht ganz nebenbei.

Einfache Rezepte zum Nachkochen

Renate Kluschewski ist mit Ulla Schmidt hier. Sie kennen sich aus der Tagesstätte Nienhoff. „Zusammen macht Kochen mehr Spaß“, erklärt erstere. „Ich fange gerade wieder an zu kochen. Durch meine Krankheit ging das lange nicht.“ Daher ist die Freude an der Gemeinschaft besonders groß. Hemmungen haben Beide nicht. „Ich gehe gern auf Leute zu“, meint Ulla Schmidt. „Damit habe ich kein Problem.“

Die Küche ist erfüllt vom Duft frischer Speisen. Vor Denise Kamann auf dem Herd brutzeln Hackbällchen in einer Pfanne. Die junge Frau aus dem Haus St. Raphael in Horst genießt das. „Ich bin hier, weil ich kochen lernen möchte. Ich habe noch nie in meinem Leben irgend etwas gelernt.“ Dann berichtet sie, dass sie nicht zu Hause aufwuchs, das Kochen dort nicht ganz nebenbei lernte. „Ich will jetzt auch mal anders sein, selbstständiger. Ich habe das Bedürfnis, auch mal etwas anderes zu erleben.“ Backen lernte Denise Kamann bereits, jetzt sei das Kochen dran. „Ich möchte später auch mal für meine Eltern kochen. Als behindertes Mädchen möchte ich auch mal anders gesehen werden. Ich will zeigen, dass ich etwas kann.“

Mehr Fleisch, bitte!

Jetzt müssen die Hackbällchen gewendet werden. Alles läuft gut. Die Vorfreude auf das gemeinsame Essen am schön gedeckten Tisch nebenan steigt. Damit der Tag nachhaltig ist, sind die Rezepte einfach und leicht nachzukochen. „Es müssen schnelle Gerichte sein, die einfach sind“, so Kursleiterin Anne Lange, die vor dem Koch-Treffen alle Teilnehmer zum Gespräch geladen hatte. „Da haben wir die Gerichte abgestimmt.“ Dann lacht sie. „Der Wunsch nach mehr Fleisch kam auch auf.“ Ein spanisches Fischgericht war von allen nicht gewünscht.

Endspurt. Jetzt ist etwas Zeit, auch mal bei anderen über die Schulter zu schauen. Besonders die katalanische Creme löst Begeisterung aus. Dieser Nachtisch, das ist sicher, wird die Krönung des gemeinsamen Essens sein.

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