Vor 100 Jahren wurde Buer zur Stadt ernannt

Historische Ansichten aus Gelsenkirchen: das Rathaus in Buer um 1934.
Historische Ansichten aus Gelsenkirchen: das Rathaus in Buer um 1934.
Foto: Archiv Johannes Kläsener
Nach langer Unstimmigkeit wurde Buer 1911 zur Stadt ernannt. Die erste Wahl 1911 wurde, aufgrund formaler Fehler, angefochten und 1912 für ungültig erklärt. 1928 wurde Buer in Gelsenkirchen eingemeindet. Der Streit darüber hält noch an.

Buer. Als Buer im Frühjahr 1911 zur Stadt erhoben wurde, hatte das Amt einen langen bürokratischen Weg hinter sich. Doch auch als Stadt kehrte in Buer keineswegs Ruhe ein.

Schon die erste Stadtverordneten Wahl im Juli 1911 wurde angefochten – aus formalen Gründen und nicht etwa aufgrund des Ausgangs der Wahl, der einer Partei nicht schmeckte. „Das war damals nichts ungewöhnliches“, erläutert Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte. „Es gab immer wieder Probleme, vollständige und korrekte Wählerverzeichnisse zu erstellen, da es eine starke Fluktuation in der Bevölkerung gab.“ Hintergrund war der häufige Wechsel der Arbeitsstelle. „Viele Zechenarbeiter wechselten fast im Jahresturnus den Pütt, auf dem sie angestellt waren und zogen entsprechend oft um.“ Darüber hinaus habe es Kritik am Auszählungsverfahren gegeben.

Die Wahlen wurden am 20. Dezember 1912 für ungültig erklärt; vom 7. bis 14. Mai des selben Jahres fanden Neuwahlen statt.

Der Bürgermeister musste indes nicht erneut gewählt werden. „Der Bürgermeister wurde zwar von den Stadtverordneten gewählt, sein Amt war aber von der Zusammensetzung der Versammlung entkoppelt“, führt Stefan Goch aus. Auch sonst war das Amt nicht zu 100 Prozent deckungsgleich mit der heutigen Funktion. „Der Bürgermeister war damals im wesentlichen Verwaltungschef und oberster Beamter.“ Die politische Dimension des Amtes erstreckte sich größtenteils auf die Leitung der Stadtverordnetenversammlung. „Das war natürlich nicht unwichtig. Man kann sich schon vorstellen, dass Sitzungen durchaus ganz anders verlaufen können, je nach dem, wer gerade den Vorsitz führt.“

Bau des Rathauses

Ein weitere Baustelle – im wahrsten Sinne des Wortes – war der Bau des Rathauses, das Ende September 1912 eingeweiht wurde (siehe auch Text unten). Über ein eigenes Rathaus zu verfügen, war im preußischen Staat eine Voraussetzung, um überhaupt zur Stadt werden zu können.

In den folgenden Jahren wuchs Buer stetig. Schon im Jahr 1921 hatte man die Einwohnerzahl im Vergleich zu 1911 um rund 75 Prozent auf 100 000 Bürger steigern können. Deshalb wurde Buer zur Großstadt, der Bürgermeister zum Oberbürgermeister.

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Dennoch gab es auch schon zu Beginn der 20er Jahre Bestrebungen, Buer und Gelsenkirchen zusammenzulegen. „Das hatte nichts Spezielles mit Buer und Gelsenkirchen zu tun“, berichtet der Historiker. „Generell war man in der Weimarer Republik bestrebt, lebensfähige Städte beziehungsweise Verwaltungseinheiten zu schaffen.“ Diese Städte sollten auf der einen Seite eine bestimmte Größe haben, um autonom agieren und wirtschaften zu können, auf der anderen aber auch nicht zu groß werden. „Große Städte bringen auch immer einen großen bis zu sehr aufgeblähten Verwaltungsapparat mit sich, was man ebenfalls vermeiden wollte.“

Um diese Einheiten zu Bilden, wurde zunächst die Grünflächenkommission gebildet, aus der 1920 der Siedlungsverband Ruhr Kohlebezirk wurde. „Das Ruhrgebiet hatte sich bis dahin ja nie strukturiert entwickelt“, sagt Stefan Goch.

Zusammenführung mit Gelsenkirchen sinnvoll

Eine Zusammenführung mit Gelsenkirchen sei auf der einen Seite sinnvoll, auf der anderen aber vielleicht nicht gänzlich durchdacht gewesen. „Gelsenkirchen war zu der Zeit schon stark industrialisiert. Es gab Kohle, Stahl, Glas und auch Anfänge der Chemie, während Buer mit dem Bergbau eher eine Monostruktur aufwies. In Gelsenkirchen waren allerdings die Flächen zur Ausweitung größtenteils erschöpft, während Buer noch über reichlich Platz verfügte.“ Andererseits habe man nicht bedacht, dass in Buer ein schon relativ stark entwickelter Mittelstand existierte.

Außerdem habe auch schon damals eine topografische Grenze zwischen beiden Städten bestanden, die ein Zusammenwachsen behinderte. „Nicht nur der Rhein-Herne-Kanal und die Emscher, auch der Industriegürtel im Norden Schalkes war eine starke Barriere.“

Und obwohl sich einige Bueraner seit jeher gegen eine Zusammenlegung ausgesprochen und die Gelsenkirchener eher in Richtung Südosten, also Bochum und Wattenscheid, orientiert haben, wurden Buer und Gelsenkirchen am 1. April 1928 zusammengelegt. Oder eingemeindet. Aber der Streit darüber ist eine andere Geschichte...

 
 

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