Von der „Entlastung“ zur Förderung

Der Schulchor nennt sich natürlich „Bergmannsglücker Knappen“ – und singt natürlich das Steigerlied.
Der Schulchor nennt sich natürlich „Bergmannsglücker Knappen“ – und singt natürlich das Steigerlied.
Foto: Michael Korte
Der Schulrat schenkt den Förderschülern von der Bergmannsglückstraße zum Jubiläum einen Tag schulfrei. In Erle hatte 1989 die Schul-Historie begonnen. Erklärtes Anliegen der Bergmannsglücker ist es, eine „Durchgangsschule“ zu sein, die ihre Schützlinge wieder zur Regelschule zurück führen will.

Gelsenkirchen-Hassel..  Das Geschenk für die Schüler an der Bergmannsglückstraße war wohl so überraschend, dass der Applaus erst nach einer Schrecksekunde Verzögerung einsetzte. Aber ja, ein Schulamtsdirektor darf das: Während der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen der Förderschule versprach Bernhard Südholt als zuständiger Schulrat „einen Tag schulfrei für Euch – das ist mein Geschenk“.

Viele der 130 Schüler aus elf Klassen hatten sich aber auch selbst beschenkt: mit einem Festprogramm, für das es reichlich Applaus gab. Neben Gästen aus der Kommunalpolitik begrüßte Schulleiter Andreas Menzel ausdrücklich auch „viele Vertreter anderer Schulen“. Schließlich ist es das erklärte Anliegen dieser Förderschule, eine „Durchgangsschule“ zu sein, die ihre Schützlinge wieder zu einer Regelschule zurück führen will. Dafür gibt es AGs, Hospitationen, Blockpraktika und schließlich sechsmonatige Probezeiten.

Eine Förderschule zu sein mit dem Schwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“, fragte Bernhard Südholt, „sollte das nicht für alle Schularten gelten?“ Eine gute Schule habe eben, so der Schulrat, nicht nur den Kopf des Kindes zu füllen: „Jeden Morgen kommt nämlich das ganze Kind in die Schule. Hier sind Kinder, die uns oft auf dramatische Weise zeigen, dass sie in einer Situation sind, die sie nicht bewältigen können.“

Gestartet war die Schule an der Bergmannsglückstraße noch als „Sonderschule“, 1989 an der Heinrichstraße in Erle. Damals habe man noch von der „Entlastung der allgemeinen Schulen“ gesprochen. Für den Satz, den Schulrat Südholt dagegen setzte, gab’s viel Applaus: „Wir sollten die Förderung an die erste Stelle setzen.“

Was die jüngeren Förderschüler drauf haben, bewiesen nicht nur die Chorstimmen der „Bergmannsglücker Knappen“, sondern auch die jungen Rezitatoren: Die kraus-komischen Gedichte eines Heinz Erhardt pointensicher vorzutragen, ist nämlich gar nicht so einfach. Manche waren sichtlich aufgeregt, andere geradezu cool – aber alle fehlerfrei. Und als vor einer gekonnten Kunstpause der Applaus für „Die Made“ zu früh einsetzte – gab’s doch noch den wortwitzigen Nachschlag: „Jetzt dürft Ihr klatschen, danke!“

Der Schulleiter selbst machte gar nicht viele Worte: Er ließ die tanzenden Bilder einer Diashow sprechen, dazu fragte die stolze Stimme Andreas Bouranis: „Wer friert uns diesen Moment ein?“ Man sah: Szenen vom Voltigieren, aus dem Klettergarten und von der Schülerfirma „The Freshmakers“, die in der Küche Köstliches zauberten.

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