Vom Adelssitz zum Werksgelände

Peter Marnitz
Historische Aufnahme von Haus Hamm in Gelsenkirchen Buer.
Historische Aufnahme von Haus Hamm in Gelsenkirchen Buer.
Foto: privat

Gelsenkirchen-Buer. Schon 1928 sah der Verein für Orts- und Heimatkunde das Ende kommen: „Haus Hamm ist dem Verfall entgegengeführt und seiner Romantik beraubt.“ 1951 war es dann soweit. Am 31. Oktober, so erinnert sich WAZ-Leser Siegfried Günther, wurde mit dem Abriss des Gutshofes begonnen, der auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken konnte.

Die Industrialisierung in Form der Zeche Hugo war dem traditionsreichen Adelssitz schon in den 1920er Jahren immer näher gerückt und 1951 musste das Gutshaus dann der Hugo-Erweiterung endgültig Platz machen. Die Hugo-Kühltürme warfen schon ihre Schatten auf das Haus, dessen Geschichte um das Jahr 1400 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Die Herren von und zu Hamm, genannt Hemmerberch (Hammer Berg), tauchen in alten Dokumenten erstmals 1367 auf. Sie sind es auch, die am 3. Juni 1414 in der Bauernschaft Heege am Fuße des Dschüngelberges im Kirchspiel Buer von Johan von der Hasselebecke, gen. Reythorn, sein „Huchtebroke“ kauften, das damit zum „Haus Hamm“ wurde.

In alten Urkunden wurden diese frühen Adelssitze oft Burgen genannt. Den Beschreibungen nach waren es befestigte Bauernhöfe, die von Gräften, also Wassergräben eingefasst waren und meist nur über Brücken zu erreichen waren. Es gab einige dieser „Wasserburgen“ im Kirchspiel Buer. Ganz in der Nähe der hammschen Besitzung lag auch das Haus Deve(r)se, das Winnemar von Hemmerberch am 21. Oktober 1424 von Alef van Westerholte „für eine Summe Geldes“ gekauft hat.

Der Grundbesitz der Herren von und zu Hamm mehrte sich beträchtlich, am 25. Mai 1437 wird beurkundet, „dass Wennemar von Hamme geheiten Hemmerberch, von Kersbome, Bürger zu Dorsten, um 75 Gld. wiedergekauft hat die Hälfte von der Hülsauve, Kirchspiel Buer.

Auch 1705 war es noch die Familie Hamm, die ein Darlehn von 200 Talern aufnahm, um einen Neubau zufinanzieren. Das war wahrscheinlich die Keimzelle des Gebäudes, das noch die Zahl 1608 am Giebel trug, als 951 der Abriss begann.

Laut seinem Testament von 1797 setzt Friedrich Christian von Hamm seine Schwester Maria Theresia zu Erbin ein. Sie war mit Clemens August von Wolff - Metternich verheiratet, der Name Hamm stirbt so auf Haus Hamm aus.

1834 kommt es dann nach über 400 Jahren zu ersten Besitzerwechsel des Adelssitzes, Freiherr Clemens von Twickel kauft von Major Freiherr Carl Theodor von Wolff Metternich das „Landtagsfähige adelige Gut Hamm.“

Die von Twickels waren noch die Besitzer, als das Haus schließlich der Hugo-Erweiterung Platz machen musste. Zu der Zeit war der Hof schon längst an die Bauernfamilie Spiekermann verpachtet. Ernst Spiekermann war dannn auch der letzte Bewohner auf Haus Hamm. Dort wurde er , so die Todesanzeige, am 25. September 1888 geboren, dort starb er am 4. März 1951. Heute bedeckt die Rungenberghalde die Spuren von Haus Hamm.