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Total durchorganisiert

17.07.2007 | 12:06 Uhr

Die Kälber-Nachzucht auf dem Hof Drießen erfolgt fortwährend das ganze Jahr über.200 Jungtiere sind stets in den Ställen auf dem Resser Bauernhof zu finden. Sie sichern die Milchproduktion

Neugierig blicken sie die Besucher an, recken ihre Hälse in die Höhe. Kaum hält Bauer Klaus Drießen seine Finger über den Zaun, beginnen die wenige Tage alten Kälber auf dem Resser Hof zu nuckeln. "Da sind sie wie Babys." 200 Geburten, sprich Kalbungen, gibt es jedes Jahr auf dem Drießen'schen Hof, um neue Milchkühe zu züchten und letztlich die Milchproduktion in Gang zu halten. "Sechs Kälber sind im Juli schon zur Welt gekommen", berichtet Drießen. Immer wieder sei das spannend. Was sich romantisch anhört, ist allerdings auf dem milchproduzierenden Hof total durchorganisiert.

Schon ein paar Tage vor der Niederkunft kommen die tragenden Kühe in einen separaten und auch großzügigen Bereich des Kuhstalls. Der Großteil dieser Kühe kalbt, wenn es soweit ist, allein ab. Allerdings werden sie beobachtet, um bei Schwergeburten zu helfen. "Nur bei 1 % unserer Geburten muss der Tierarzt kommen", weiß Drießen. Rund die Hälfte der Neugeborenen, die zwischen 40 und 50 Kilo wiegen, ist männlich und wird nach 14 Tagen an einen Kälber- oder Bullenmastbetrieb verkauft.

Die weiblichen Kälber werden werden schon nach sechs bis acht Stunden von der Mutterkuh getrennt, nachdem sie ein bis zwei Liter Kolostralmilch (die erste einschießende Milch) möglichst direkt am Euter gesogen haben. Die gleiche äußerst nahrhafte Milch erhalten sie weitere zwei Tage über einen "Nuckeleimer". Drießen: "Die Milch ist wichtig, um das Immunsystem der Kälber in Gang zu bekommen." Das gleiche gilt für das Ablecken des Kalbes durch das Muttertier.

Nach der Trennung bleiben die Kälber zehn bis vierzehn Tage in Einzelbuchten - bis das Reststück Nabel abgefallen ist. "Ansonsten würden andere Kälber daran nuckeln, Entzündungen wären die Folge", erklärt der Landwirt.

Einen Namen bekommen die Kälber zunächst nicht. "Das ist erst der Fall, wenn das Tier nach zwei Jahren zum ersten Mal selbst kalbt." Einstweilen ist das Kalb erstmal eine Nummer: Sie wird vom Landeskontrollverband vergeben und muss am Ohr des Neugeborenen befestigt werden. Daran kann das Tier nach Ort und Hof identifiziert werden. "Darüber müssen wir detailliert Nachweis führen."

Nach etwa 14 Tagen kommen die jungen Kälber in eine Gruppenhaltung. Zunächst werden sie mit zweimal ein bis zwei Liter Milch, später mit zweimal drei Liter Milch aufgepäppelt. Diese "Tränkephase" endet nach knapp drei Monaten. Nach einer Entwöhnungsphase kommen sie in eine Großgruppe, und die Fütterung wird auf festes Futter umgestellt. Mit fünf Monaten wechseln die Tiere in Liegebuchten, um sich an ihre späteren "Arbeitsplätze" zu gewöhnen. All das passiert im Kälberstall, in dem auf 440 qm rund 100 Tiere einen Platz finden.

Nach einem Jahr wechseln sie in den 600 qm großen Jungviehstall, der ebenso 100 Tieren Platz bietet und in dem die Tiere nach 15 bis 17 Monaten das erste Mal besamt werden, um dann nach der Kalbung in den Milchkuhstall zu wechseln. Dort stehen die Kühe im Schnitt fünf Jahre. Drießen: "Es gibt Kühe, die bleiben zehn Jahre, das kommt auf die Milchmenge an."

1200 E kostet die Aufzucht eines Tieres über zwei Jahre hinweg. Das verschlingt jährlich 120 000 E an Investitionsmitteln für die Nachzucht. Allein eine Besamung kostet 40 E. Nur die Jungkälber trinken in der ersten Lebensphase täglich 100 Liter Milch.


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