Stolpersteine in Buer und Horst erinnern an NS-Opfer

Stolpersteine erinnern an vielen Stellen in Gelsenkirchen an die Opfer des Nationalsozialismus.
Stolpersteine erinnern an vielen Stellen in Gelsenkirchen an die Opfer des Nationalsozialismus.
Foto: Funke Foto Services
  • Über 160 Stolpersteine erinnern an Menschen, die von Nationalsozialisten verfolgt wurden
  • Bildhauser Gunter Demnig setzt seine Aktion in Buer, Horst und in der Altstadt fort
  • Dort werden an neun Stellen weitere 22 Stolpersteine verlegt

Gelsenkirchen-Buer..  Über 160 Stolpersteine erinnern mittlerweile in Buer und in Gelsenkirchen an das Schicksal von Menschen, die wegen ihrer Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung oder politischen Haltung von den Nationalsozialisten verfolgt oder ermordet wurden. Am Donnerstag, 6. Oktober, ist der Kölner Bildhauer Gunter Demnig zwischen Buer, Horst und der Altstadt unterwegs, um an neun Stellen schlichte Gehwegplatten durch weitere 22 Stolpersteine zu ersetzen.

Kaufmann Julius Less

Die Aktion beginnt um 10 Uhr an der Straße Im Quartiermeister, wo im Haus Nummer 18 der jüdische Kaufmann Julius Less lebte. Geboren 1893 im westpreußischen Kamin, kam er 1926 nach Buer. An einem Tag im April 1933 wurde er gleich zweimal von SA-Leuten in aller Öffentlichkeit zusammengeschlagen. Er flüchtete nach Amsterdam, lernte dort seine spätere Ehefrau Mietje Plas kennen. Julius Less wurde über Theresienstadt ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert, das Datum und die Umstände seines Todes sind nicht mehr feststellbar. Seine Frau wurde ebenfalls in Auschwitz ermordet.

Familie Schloss

Für 10.20 Uhr ist an der Markenstraße 28 in Horst ein Verlegung von insgesamt fünf Stolpersteinen vorgesehen. Dort befanden sich Wohnung und Ladengeschäft von Max und Julia Schloss. Die Eheleute wurden zusammen mit ihrem Sohn Ludwig nach Riga deportiert. Nach Stationen in Stutthoff und Buchenwald kamen Vater und Sohn ins Arbeitslager Bochum, wo sie am 16. März 1945 fliehen und sich dann in Heßler und in Bredeney verstecken konnten. Max Schloss emigrierte 1947 in die USA, wo er am 2. Januar 1955, wenige Tage nach seinem 65. Geburtstag, verstarb. Ludwig, bereits 1946 in die USA emigriert, starb dort im Juli 2000 im Alter von 76 Jahren. Seine Mutter Julia erlebte die Befreiung des KZ-Außenlagers Bruss-Sophienwalde im März 1945 durch die Rote Armee und erlag nur einen Monat später den Folgen, die sie in der Haft in verschiedenen Konzentrationslagern erlitten hatte. Tochter Hildegard flüchtete zunächst nach Holland, wurde 1944 deportiert und in Theresienstadt befreit. Ihre Schwester Susanne überlebte das NS-Regime geschützt durch eine holländische Bauernfamilie.

Kommunist Johann Eichenauer

An der Schlangenwallstraße 9 wird Gunter Demnig gegen 10.40 Uhr einen Stolperstein in den Bürgersteig schlagen, wo Johann Eichenauer zu Hause war. Als Kommunist erlebte er schon ab Januar 1933 die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Misshandelt in der Untersuchungshaft und zu Zuchthaus in der Strafanstalt Herford verurteilt, kehrte er von Folter und Haft gekennzeichnet nach Horst zurück, wo er 1944 wieder in die Fänge der Verfolgungsbehörden geriet. Trotz eines „Freispruchs“ durch den Volksgerichtshof wurde er nicht aus der Haft entlassen. Sein Leben endete auf der „Cap Arcona“, die mit KZ-Häftlingen in der Lübecker Bucht lag. Wer den Angriff britischer Kampfflugzeuge überlebt und es noch an Land geschafft hatte, wurde von SS-Wachmannschaften erschossen. Das Amtsgericht Hamburg erklärte Johann Eichenauer am 3. Mai 1945 für tot.

Vor dem Grillo-Gymnasium an der Hauptstraße 60 (11.20 Uhr) werden gleich sechs neue Stolpersteine zu sehen sein. Sie erinnern an Albert Gompertz, Günter Schönenberg, Hermann Cohn, Ernst Back, Horst Karl Elias und Erich Lilienthal. Gegen 12 Uhr wird Gunter Demnig an der Liebfrauenstraße 38 erwartet. Dort lebte Rudolf Littek. Das Ehepaar Siegfried und Rosalia Elise Galliner war an der Munckelstraße 5 zu Hause. Dort ist die Verlegung eines Stolpersteins für 12.20 Uhr geplant. Der Stolperstein für Familie Herman Joseph wird um 12.40 Uhr verlegt. Sie lebte an der Ringstraße 67. Die Aktion endet um 13 Uhr an der Ah-/Husemann-straße. Dort lebten Selma und Walter Müller.

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