Starkes Stück Buer

Georg Meinert
Foto: WAZ FotoPool

100 Jahre alt wird in diesen Wochen das Einkaufsviertel an der unteren Hochstraße. Exakt 1910 wurden das Sanitätshaus Rommeswinkel, die Stadtapotheke und das Juweliergeschäft Volmar (vormals Möllers) eröffnet.

Sechs Fachgeschäfte haben sich nun aus diesem Anlass zu einem „starken Stück Buer“ zusammengetan, erinnern an Historie und Tradition und laden am Cityfest-Wochenende zu einem besonderen Besuch ein.

Das Sanitätshaus Rommeswinkel, damals „Kunstgliederbau und Bandagen“, gründete Johann Kleier. Nachdem er früh verstarb, führte seine Witwe das Geschäft weiter. Sie heiratete später den Dorfschullehrer Heinrich Rommeswinkel. „Der wurde der Namensgeber des Sanitätshauses“, berichten die heutigen Inhaber Heinz und Heike Richter, obwohl er weiter Lehrer blieb. Rommeswinkel überlebte seine Frau und vererbte später das Unternehmen an eine langjährige Mitarbeiterin, Hedwig Schnell, die es weiterführte und 1974 an Karl-Heinz Kleinwächter und Franz Grohs verpachtete. Schon 1971/72 wurde der Neubau errichtet und Rommeswinkel zog in das Eck-Geschäftslokal. 1990 kaufte der Orthopädiemeister und -techniker Heinz Richter das Geschäft und baute es zum modernen Zentrum für Orthopädietechnik aus.

Die Stadtapotheke eröffnete ebenso 1910 - im historischen Eckgebäude, in dem sich seit einigen Jahren die private Musikschule befindet. Dr. Emil Samiez war der Gründer, der sich im Dunstkreis des St.-Marien-Hospitals niederließ. 1942 wurde die Apotheke von Franz Weinzierl übernommen, die darauhin viele Jahre in Familienbesitz blieb. Be-reits 1957 übergab er sie seinem Sohn Günther, nach weiteren 30 Jahren trat dessen Sohn Dr. Joachim Weinzierl an. In der Zwischenzeit entstand der benachbarte Neubau, um dessen Erdgeschoss die Apotheke erweitert wurde (heute ist sie ausschließlich dort). Seit 1999 ist Apotheker Roland Schiwy Inhaber der Stadtapotheke.

Noch älter als diese beiden Unternehmen ist der Friseursalon Holtwiesche & Brokes, den Wilhelm Spans bereits 1898 als Rasierladen am St.- Urbanus-Kirchplatz eröffnete. Nach der Jahrhundertwende zog der Friseurmeister an die untere Hochstraße, zunächst ins Haus Nr. 74. Mitte der 30er Jahre kaufte die Familie das Nachbarhaus, in dem sich noch heute der Salon befindet. Tochter Maria Spans führte ihn weiter, heiratete 1948 Wilhelm Holtwiesche, der Bäcker und Konditor war. Das Paar blieb kinderlos. 1970 übernahm ihr Neffe Alfons Holtwiesche den Salon, den er seit 2001 mit Hans-Jürgen Kessel als GmbH betreibt.

Seit 1910 ist an der unteren Hochstraße auch ein Juwelier zu finden: Zwei Generationen lang führte die Familie Möllers das Juweliergeschäft im Haus Hochstraße 74. Anfangs hieß der Laden „Uhren und Goldwaren“. Seit 2002 ist Matthias Volmar Inhaber und Besitzer des Geschäftes.

Ein Traditionsname ist auch Kalenka: Fast 60 Jahre führte die Familie eine Reinigung, zu-nächst an der Luciagasse, seit 1990 an der unteren Hochstraße (hier war zuvor lange Elektro Grünewald ansässig). 2009 schloss die Reinigung, seit 2003 gibt es in dem Ladenlokal parallel bereits Hörakustik Marina Kalenka, jetzt gemeinsam mit dem Reisebüro Kohring. Seit 1972 ist an der unteren Hochstraße bereits auch Brillen Pleiss ansässig, seit 1991 ist Heinrich Markgraf der Inhaber.

Am Cityfest-Wochenede laden die Geschäfte nun anlässlich des 100-Jährigen am 5. September um 14 und 16 Uhr zu einer Modenschau der besonderen Art ein: Rommeswinkel führt Kompressionsstrümpfe und Sportbandagen vor. Erstmals beteiligen sich die Geschäfte am verkaufsoffenen Sonntag und laden zu Currywurst undVerlosung ein.