St. Urbanus schaltet WLAN für Flüchtlinge nach Übergriff ab

Flüchtlinge nutzen ihre Handys häufig, um Kontakt zu ihren Familien und zu den Freunden in ihrer Heimat zu halten.
Flüchtlinge nutzen ihre Handys häufig, um Kontakt zu ihren Familien und zu den Freunden in ihrer Heimat zu halten.
Foto: picture alliance / dpa
Die Kirchengemeinde St. Urbanus in Gelsenkirchen-Buer stellt das kostenlose WLAN für Flüchtlinge ab. Im Januar soll eine Frau belästigt worden sein.

Gelsenkirchen-Buer. Sie gehörten schon zum Stadtbild: Flüchtlinge, die am Pfarrbüro von St. Urbanus auf der Domplatte oder am Michaelshaus in Buer Nachrichten in ihre Handys tippten oder mobil telefonierten. Möglich machte dies ein Freifunk-Angebot der Pfarrei seit November letzten Jahres. Damit ist nun Schluss: Nachdem bekannt wurde, dass ein 19-jähriger Asylbewerber eine Frau auf dem St.-Urbanus-Kirchplatz Anfang Januar sexuell belästigt haben soll, hat der Kirchenvorstand beschlossen, diesen Service zunächst einzustellen.

„Wir möchten nicht, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, St. Urbanus gebe Menschen Raum, die Frauen sexuell belästigen“, begründete Propst Markus Pottbäcker die Entscheidung des Laien-Gremiums, dem er selbst qua Amt vorsteht. „Wir sind sehr traurig, diesen Schritt gehen zu müssen, weil der Service für die Flüchtlinge eine tolle Möglichkeit war, in Verbindung mit ihrer Heimat zu bleiben. Wir selbst haben die Asylbewerber auch ausnahmslos als sehr höflich und freundlich erlebt“, berichtete er von dem Kontakt, wenn Mitarbeiterinnen des Pfarrbüros die jungen Männer etwa mit Kaffee bewirteten.

Gemeinde erwägt Fortsetzung

Die junge Frau hatte sich nicht selbst bei der Polizei gemeldet und den Vorfall vom 8. Januar angezeigt. Vielmehr waren die Beamten durch einen Hinweis der Stadt in Zusammenhang mit der Gründung einer so genannten Bürgerwehr darauf aufmerksam geworden. Auf Facebook war eine heftige Diskussion darüber entbrannt und ein Foto des Mannes, aufgenommen auf der Domplatte, eingestellt worden – worüber sich der Flüchtling selbst bei der Polizei beschwert habe, so Polizei-Sprecher Olaf Brauweiler. „Erst im Zuge unserer Ermittlungen konnten wir die Frau identifizieren, die die Aussagen uns gegenüber bestätigte, so dass wir am Ende den Mann festnehmen konnten“, berichtete er auf Anfrage dieser Zeitung. Der Flüchtling sitzt nun wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft, bis das Gerichtsverfahren gegen ihn beginnt.

Während die Stadt betont, „voll und ganz hinter der Entscheidung von St. Urbanus“ zu stehen, betont Propst Pottbäcker: „Wir behalten uns vor, den Service nach einer gewissen Zeit wieder aufzunehmen.“

 
 

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