Spielespaß bei Förderbedarf im Haus St. Rafael in Horst

Bewegungseinheiten wie das Winken mit Tüchern fördern die Motorik – und machen sichtlich Spaß. Erzieherin Christina Osterhoff (r.) ist jedenfalls von den Vorzügen des Spiels „Kugelbunt“ überzeugt.
Bewegungseinheiten wie das Winken mit Tüchern fördern die Motorik – und machen sichtlich Spaß. Erzieherin Christina Osterhoff (r.) ist jedenfalls von den Vorzügen des Spiels „Kugelbunt“ überzeugt.
Foto: FUNKE FotoServices
Gesellschaftsspiele für Menschen mit geistiger Behinderung, sie sind rar gesät. Deshalb hat ein Modellprojekt der Fachstelle Demenz des Caritasverbands Gelsenkirchen für die Aktion Mensch das Spiel „Kugelbunt“ aus „Kugelwohl“ heraus entwickelt.

Gelsenkirchen-Horst..  Erwachsene sind keine Kinder – eine Binsenweisheit, die auch für Menschen mit geistigen Behinderungen gilt. Trotzdem ist es für deren Betreuer bisweilen schwierig, Gesellschaftsspiele zu finden, die nicht für Kinder entwickelt wurden. Genau da setzt „Kugelbunt“ an, das aus dem Modellprojekt „Demenz und geistige Behinderung“ der Fachstelle Demenz des Caritasverbands Gelsenkirchen für die Aktion Mensch heraus entstand. Das Horster Haus St. Rafael hat Probe gespielt.

Unruhig rutschen die sechs Frauen und Männer in der St.-Rafael-Tagesstätte auf ihren Stühlen hin und her. Sie wissen: Heilerziehungspflegerin Christina Osterhoff hat wieder ein Spiel im Gepäck, das hilft, den Tag ohne Arbeit zu strukturieren; denn für die Werkstätten für angepasste Arbeit sind sie zu alt oder nicht fit genug.

Bewegungseinheiten

„Jetzt wird gewürfelt, heute zum Thema Urlaub“, sagt sie fröhlich und greift nach einem roten Stoffbeutel. Yvette ist als erste an der Reihe und würfelt rote Wellen – eine Aufforderung zum Trinken. „Das vergessen wir sonst so gerne“, meint Christina Osterhoff und verteilt die Wassergläser.

Als Lothar einen roten Punkt würfelt, darf er in den Beutel greifen. Zutage kommt eine rote Holzkugel, die Bewegung symbolisiert. „Wer in die Ferien fährt, winkt den Daheimgebliebenen zum Abschied“, fordert sie zum Lockern der Handgelenke auf. Später dürfen die Tagesstätten-Besucher noch bunte Tücher durch die Luft wirbeln und Luftballon-Handball spielen: kleine Bewegungseinheiten also, die Spaß machen und die Motorik fördern.

Doch auch die Entspannung kommt nicht zu kurz, dafür sorgen schon die naturfarbenen „Pause“-Holzkugeln. „Massiert Eurem Nebenmann mal den Nacken“, lautet Osterhoffs Spielanweisung. Sie entnimmt sie der dicken Anleitung, die zu 52 Wochenthemen zahlreiche Bewegungs- und Quiz-Vorschläge auflistet, zugeschnitten auf die Lebenwelt von Menschen mit Förderbedarf.

Eigene Erlebnisse einbringen

Caritas-Projektmitarbeiterin Nicole von Rüden hat das für Senioren und Demenzkranke entwickelte Spiel „Kugelwohl“ mit dessen Autorin Petra Fiedler abgewandelt und an die Bedürfnisse von Menschen mit geistigen Behinderungen angepasst. „So geht das Spiel ohne feste Regeln auf saisonale und persönliche Themen wie Wetter, Rente oder Jahreszeiten ein und ermöglicht es, eigene Erlebnisse einzubringen“, hebt Christina Osterhoff einige Vorzüge hervor.

In der Tat haben alle etwas zu erzählen, als es darum geht, den Koffer zu packen – und sich später daran zu erinnern. „Duschzeug, Proviant und Geld müssen mit“, ruft Lothar, während Rosi die Unterwäsche nennt. Als die Erzieherin das Spiel nach knapp einer Stunde beendet, kann Lothar nur eine Bilanz ziehen: „Das heute war spitzenklasse, eine Eins in Gold!“

 
 

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