Schüler erlebt Hammelsprung und Aktuelle Stunde

Jung-Parlamentarier Felix Rarreck saß für drei Tage im Düsseldorfer Landtag auf dem Stuhl, auf dem normalerweise Landtagsabgeordnete Heike Gebhard (SPD) Platz nimmt.
Jung-Parlamentarier Felix Rarreck saß für drei Tage im Düsseldorfer Landtag auf dem Stuhl, auf dem normalerweise Landtagsabgeordnete Heike Gebhard (SPD) Platz nimmt.
Foto: Funke Foto Services
Felix Rarreck, Schüler aus Buer, durfte beim Jugend-Landtag NRW für drei Tage Platz nehmen auf dem Stuhl, auf dem normalerweise die Landtagsabgeordnete Heike Gebhard sitzt.

Gelsenkirchen-Buer.  . Puh, in der eigenen Vorstellung über den Politik-Betrieb klingt das ganz schön langweilig: ein sperriges Thema zu diskutieren, Absprachen in der Fraktion zu treffen und Anträge zu schreiben, das Für und Wider in großer Runde auszutauschen. Sich Gedanken zu machen über eine gerechtere Vergabe von Studienplätzen oder den Schulunterricht alltagsbezogener zu gestalten, kann aber auch ganz schön spannend sein, wenn man – wie Felix Rarreck aus Buer – einmal selbst als Abgeordneter gearbeitet hat. Der 7. Jugend-Landtag machte dem 17 Jahre alten Schüler diese Erfahrung möglich.

30 Sekunden für die Vorstellung

Der dreitägige Besuch in Düsseldorf hatte es in sich: Gerade erst auf Einladung der örtlichen Landtagsabgeordneten angekommen, musste der Parlamentarier-Nachwuchs gleich an den ersten Fraktionssitzungen teilnehmen, Schriftführer und Vorsitzende wählen. Felix Rarreck gehörte der SPD-Fraktion an: „Das waren 99 Leute. Für die persönliche Vorstellung hatte jeder nur 30 Sekunden Zeit. Da war es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten.“

Die inhaltliche Arbeit und die damit verbundenen Beratungen füllten den zweiten Tag. Es galt zwei aktuelle Themen detailliert zu diskutieren. Um Studienplätze gerechter zu verteilen, sprachen sich die jungen Abgeordneten für ein Punktesystem aus, dass nicht nur die Abitur-Note berücksichtigt, sondern auch soziales Engagement, die Wartezeit, einen Einstufungstest und eben auch die Persönlichkeit des Studienplatzbewerbers. Das andere Thema nahm Bezug auf die kürzlich in sozialen Netzwerken geäußerte Kritik einer Schülerin, die sich darüber beklagt hatte, dass sie zwar Gedichtsanalysen schreiben könne, die Schule sie aber nicht fit mache für den Umgang mit Themen wie Steuern, Versicherungen und Miete. In diesem Fall empfahlen die Jung-Politiker, kein neues Unterrichtsfach einzuführen, sondern Themen des Alltags praxisnah in die Standardfächer einzubauen.

Lesen, organisieren, zuhören

Bis diese Beschlüsse Form annehmen konnten, musste viel bedrucktes Papier gelesen, Experten angehört, Mehrheiten organisiert, eine Aktuelle Stunde einberufen werden. Wie im Politik-Alltag. „Es kam sogar zu einem Hammelsprung“, berichtet Felix Rarreck. Weil ein Abstimmungsergebnis nicht klar zu erkennen war, mussten alle Abgeordneten den Plenarsaal verlassen und einzeln wieder betreten – durch drei Türen, die für Ja, Nein und Enthaltung stehen.

Für den Jugend-Landtag hatte Felix Rarreck auf dem Stuhl von Heike Gebhard Platz genommen. Sie konnte mit Freude verfolgen, wie sich die Schülerinnen und Schüler engagierten. Wie sie ins Detail gingen, wie sie lernten, Anträge und Wortbeiträge präzise zu formulieren. Dass der Jugend-Landtag keine Schau-Veranstaltung ist, wird sich für die Profi-Landtagsabgeordnete im Politik-Alltag zeigen, wenn die Anträge in den Ausschüssen des echten Landtags beraten werden. Und als Mitglied des Wissenschafts- und des Haushaltsausschusses hat Heike Gebhard in beiden Fällen ein Wörtchen mitzureden.

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