Rosel Liemanns fährt seit 60 Jahren unfallfrei durch Leben

Opel Olympia, genannt Maxl: Rosel Liemanns gab ihren Auto gerne individuelle Namen. Der Lieferwagen hieß Ferdi..
Opel Olympia, genannt Maxl: Rosel Liemanns gab ihren Auto gerne individuelle Namen. Der Lieferwagen hieß Ferdi..
Foto: Funke Foto Services

Gelsenkirchen-Buer..  Der Hinweis klingt ebenso resolut wie stolz: „Keine einzige Schramme ist von mir!“ Dennoch weist Rosel Liemanns’ Mercedes ein paar Schäden im Lack auf, verursacht von unachtsamen Pkw-Fahrern. Das ist Rosel Liemanns noch nie passiert, die Bueranerin fährt seit 60 Jahren mit dem Auto unfallfrei durchs Leben.

Wie sie das geschafft hat? Die couragierte 75-Jährige weiß es selbst nicht so genau. Sie vermutet: „Ich hab’ vielleicht einfach Glück gehabt.“ Wer jetzt nachrechnet, kommt zu dem richtigen Schluss: Dann muss Rosel Liemanns, die damals noch Hübers hieß, 15 Jahre alt gewesen sein, als sie die Führerscheinprüfung bestand.

Das war in Bocholt und sie die einzige junge Frau unter lauter Männern, die den Lkw-Führerschein erwerben wollten. Eine Frau am Steuer, das passte so gar nicht in die Vorstellungswelt der 1950er Jahre. „Was wollen Sie? Sie gehören an den Herd und an den Kochtopf“, hatte der Fahrlehrer empfohlen. Doch das Mädchen ließ sich davon nicht abschreckend. Denn der Erwerb des Führerscheins stellte für Rosel Hübers und ihre Familie eine wirtschaftliche Notwendigkeit dar.

Fahrschulbesuch dauerte fünf halbe Stunden

Der Vater war Bäcker, die Mutter arbeitete im Laden, die Cousine, die dort mithalf, wollte heiraten. Also musste die Frage geklärt werden, wer denn in Zukunft mit dem Lieferwagen fahren sollte. „Wir haben Brot, Lebensmittel und Waschpulver ausgefahren, zu den Bauern. Und sonntags standen wir mit unserem Wagen am Strandbad und haben Brötchen und Teilchen verkauft“, erinnert sie sich an ihre Jugend im niederrheinischen Rees. Weil sie das Fahren schon zuvor beim Vater ausprobiert hatte, war der Besuch der Fahrschule nur von kurzer Dauer. Mit einem verschmitzten Lächeln gesteht sie: „Das waren höchstens fünf halbe Stunden“, dann hatte sie das begehrte Papier in der Tasche. Allerdings war der Führerschein erst einmal nur beschränkt gültig - für Autofahrten innerhalb des Kreises Wesel. Als sie dann 18 wurde, entfiel dieser Vermerk.

„So bleibe ich mobil.“

Dass früher das Autofahren leichter war als heute, möchte Rosel Liemanns so nicht gelten lassen: „Es gab damals noch nicht die Autobahn A 3, aber auf der B 8 war mindestens genau so viel Verkehr.“ erst recht an Sonn- und Feiertagen, wenn alle in Richtung Rhein zu den Zeltplätzen und Strandbädern strömten.

In der Zwischenzeit hat sich ihr Bewegungskreis deutlich eingeschränkt. Der Wagen wird genutzt zum Einkauf, für den Arztbesuch, für die Wassergymnastik, für die Termine mit der Kirchengemeinde. Kleine Wege, die trotzdem anstrengend sein können. Sie will auf das Auto nicht verzichten: „So bleibe ich mobil.“

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