Reise in die Bleizeit

Drucken ist Handwerk. Heinrich Jüttner, Frank Putzki, Wolfgang Höfener und Rudolf Heisterkamp (v.li.) zeigen, wie es geht.
Drucken ist Handwerk. Heinrich Jüttner, Frank Putzki, Wolfgang Höfener und Rudolf Heisterkamp (v.li.) zeigen, wie es geht.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Horst..  Auf die Schnelle den neuen Personalausweis abholen, in aller Ruhe ein Buch lesen, am Abend einen Vortrag verfolgen: Die Vorburg von Schloß Horst bietet seit Mitte des Monats ein gemeinsames Dach für das Bürgercenter, die Stadtteilbibliothek und den Fürstenberg-Saal. Damit nicht genug: Die Historische Druckwerkstatt lädt dort viermal in der Woche zu einer Reise in die Bleizeit ein.

Damit ist eine Idee Wirklichkeit geworden, die Wolfgang Höfener und seine Mitstreiter Rudolf Heisterkamp, Heinrich Jüttner und Franz Putzki, Schriftsetzer- und Druckermeister von Beruf, schon seit Jahren beschäftigt. „Wir wollen eine Erlebniswerkstatt und kein Museum sein“, sagt Wolfgang Höfener. Ein Ort, der einlädt zum Mitmachen, Anfassen und Staunen. Ein Ort, der zeigt, wie Gedanken Gestalt annehmen und vervielfältigt in die Welt getragen werden. Zum Beispiel mit Hilfe der alten Holzdruckpresse. Oder dem Heidelberger Tiegel, einer elektro-mechanischen Druckmaschine, die für den Druck von Karten, Briefpapier, Etiketten und Prospekten Verwendung fand. In der Druckwerkstatt sind auch die Produkte historischer Drucktechnik zu sehen. Eine Luther-Bibel aus dem Jahr 1730 oder die Merian-Bibel aus dem Jahr 1630. Und das kleinste Buch der Welt, das, nicht größer als ein Daumennagel, zwischen den Buchdeckeln das Vater Unser in sieben Sprachen enthält.

Wie sich das Druckgewerbe vor allem in jüngster Zeit verändert hat, auch das will die Druckwerkstatt vermitteln. Eine mechanische und eine Kugelkopf-Schreibmaschine stehen für den technischen Fortschritt im Büro, die Fotosatzmaschine ist der Zeuge für die Veränderung der Abläufe in der Arbeitswelt der letzten 30, 40 Jahre. Der Atari-Computer mit dem klobigen Röhrenbildschirm sieht aus wie der Bezug zur Gegenwart, die schon längst Vergangenheit geworden ist.

Der Verein „Historische Druckwerkstatt Offizin Schloß Horst“ will praktische Wertevermittlung betreiben. Bedrucktes Papier ist eben mehr als ein Gebrauchsgegenstand, es ist das Produkt eines handwerklich hoch spezialisierten Herstellungsprozesses, an dessen Ende Bücher, Zeitungen und Leselust stehen.

Wie diese Produkte entstehen, welche einzelnen Schritte dazu notwendig sind, das sollen Führungen durch die Druckwerkstatt zeigen. Wolfgang Höfener: „Die Teilnehmer haben dann die Möglichkeit, einmal selbst etwas zu setzen und im Anschluss dann auch zu drucken.“ Damit Überblick und Konzentration nicht verloren gehen, will er die Teilnehmerzahl auf maximal 15 Personen beschränken. Die Schulen aus der Nachbarschaft sollen dort willkommen sein, aber auch Hochzeitsgesellschaften oder Geburtstagsrunden will der Verein mit besonderen Führungen überraschen. Die Erinnerung an ein spannendes Handwerk soll nicht verblassen. Deshalb hoffen Wolfgang Höfener und seine Mitstreiter auf Unterstützung durch Berufskollegen.

 
 

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