Preisgekrönte Unordnung

Christiane Rautenberg
Dennis Jaschek siegte mit seiner Arbeit „Mandelbrot und Julia-Menge als chaotisches Informationssystem" bei Jugend forscht.
Dennis Jaschek siegte mit seiner Arbeit „Mandelbrot und Julia-Menge als chaotisches Informationssystem" bei Jugend forscht.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer.  Was regen sich Eltern oft über das Durcheinander im Zimmer ihrer Kinder auf... Dass sich mit Unordnung aber auch Preise gewinnen lassen, ist ihnen bestimmt nicht bewusst. Zugegeben, es ist das chaotische Verhalten der Mandelbrot- und Julia-menge – also Mathematik –, die Dennis Jaschek (17) aus Sutum bebrütet und für ein Datenverschlüsselungssystem genutzt hat. Aber damit liefert der Max-Planck-Gymnasiast ein Paradebeispiel dafür ab, wie nah Genie und Chaos beieinander liegen können: Er schnappte sich in der Marler Regionalrunde des Wettbewerbs „Jugend forscht“ den ersten Platz in der Kategorie Mathe/Informatik.

Wobei: Was der Sutumer der Fachjury da in Form einer schriftlichen Arbeit vorlegte, referierte und an einem Stand erläuterte, hatte er in zweijährigem Heimstudium akribisch vorbereitet. „Die Idee zu dem Thema ,Mandelbrot- und Julia-Menge als chaotisches Informationssystem’ entstand im Zuge einer Mathe-AG meines früheren Klassenlehrers Hannes Stoppel. Er betreute mich auch und gab Tipps, nachdem die anderen zwei Schüler der Dreiergruppe abgesprungen waren.“

Die Begleitung war offenbar bitter nötig: Denn die mathematische Basis des Themas reichte weit über den Schulstoff hinaus, das Gros musste sich Jaschek selbst aneignen. „Im Kern geht es um ein Datenverschlüsselungssystem, das von Dritten nicht geknackt werden kann. Grundlage sind Zahlenfolgen, deren Rand sich chaotisch verhält“, skizziert der MPG-Schüler.

Eine lineare Erfolgskurve vollzog das Mathe-As dabei freilich nicht. „Drei Monate lang habe ich versucht, mich einzulesen und gar nichts verstanden. Man muss sich schon richtig festbeißen und darf sich nicht entmutigen lassen. Irgendwann hat es dann ,Klick’ gemacht.“

Nach zwei Jahren Heimstudium und Intensivtraining der eigenen Frustrationstoleranz – neben dem herkömmlichen Unterricht samt Hausaufgaben und Klausurvorbereitung, versteht sich – ist Dennis Jaschek nun aber optimistisch, „dass die Arbeit in Form einer Software auch einen praktischen Nutzen hat“.

Diese entwickelt er zurzeit für den Landesausscheid vom 18. bis 20. März in Leverkusen. Bis das PC-Programm steht, richtet er sich auf einige Nachtschichten ein. Aber daran ist er ja mittlerweile gewöhnt.