Ohne Fleiß kein Preis

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Gelsenkirchen-Buer.. „Ohne Fleiß…“, liest Sabine Strain von einer Karte ab. „Kein Preis“, vervollständigt Helga Sandt. Sie sitzt in einem Rollstuhl unter einem großen roten Sonnenschirm. Das hindurch fallende, eingefärbte Sonnenlicht zaubert ihr ein gesundes Rosa auf die Wangen. Ihr Lächeln über ihren Erfolg beim „Sprichwörter raten“ rundet das Bild einer zufriedenen alten Dame ab. Für kurze Zeit ist die Krankenhauskulisse vergessen.

Demenzkranken Patienten zur Seite zu stehen, das ist die Aufgabe der Alltagsassistentin Sabine Strain im Bergmannsheil-Krankenhaus. Und das empfindet sie als ihre Berufung. Die gelernte staatlich geprüfte Sozialhelferin arbeitete in Altenheimen und Behinderteneinrichtungen, bevor sie arbeitslos wurde. Im Rahmen eines Bür-gerjobs, zunächst befristet auf drei Jahre, kann die 33-Jährige nun wieder durchstarten. Und das tut sie. Sie macht sich Gedanken, wie man ältere Menschen im Krankenhaus betreuen kann, entwickelte ein eigenes Spiel – das „Sprichwörter raten“.

Weiter geht es. „Verflixt…“, liest Sabine Strain. „Und zugenäht“, frohlockt Helga Sandt. „Liebe macht…“ – „…blind.“ Da schmunzelt die Alltagsassistentin. „Ist ihnen das auch schon einmal so gegangen?“ Und die Dame im Rollstuhl antwortet spontan: „Ja.“ Wie lange sie denn verheiratet gewesen wäre, will Sabine Strain wissen. „In diesem Jahr wären es 65 Jahre gewesen.“ Und dann schaut Helga Sandt auffordernd in die Runde. „Sie können ruhig mitmachen. Sie brauchen da nicht so faul herum zu sitzen.“

Die Alltagsassistenten helfen nicht nur den älteren Menschen, sich im Krankenhaus zurecht zu finden. Mit ihrer Arbeit helfen sie auch dem Krankenhaus. „Wir verringern dadurch die Sturzgefahr, die Patienten werden weniger fixiert und es müssen weniger Medikamente gegeben werden“, erklärt Daniela Räuber vom Entlassungsmanagement. „Dadurch, dass die Patienten tagsüber betreut werden, sind sie abends müde und nachts ruhiger. Sie haben auch nicht mehr diese Ängste.“ Denn wer an Demenz erkrankt ist, hat ohnehin Schwierigkeiten, sich im Alltag zurecht zu finden. Ein abrupter Ortswechsel und eine ungewohnte Umgebung machen solche Menschen sehr unsicher, bereiten ihnen Angst.

So fit Helga Sandt eben noch wirkte, jetzt baut sie schnell ab. Vom Erraten der Sprichwörter hat sie genug. Selbst die leichte Konversation fällt ihr nun immer schwerer. Aber genauso ist es gewollt: Die Patienten sollen in ihren geistigen Fähigkeiten ihren Möglichkeiten nach gefördert werden, damit sie dann Ruhe finden.

Das Projekt ist am Bergmannsheil gut angelaufen. Nun wird an Feinheiten gefeilt. „Wir bauen jetzt Kontakte auf zu Ärzten und Pflegeeinrichtungen, damit Patienten mit Demenz demnächst angekündigt werden“, erklärt Daniela Räuber, wie das System noch optimiert wird. So können die Einsätze von Sabine Strain und ihren Kollegen noch besser koordiniert werden.

Helga Sandt erzählt von einem kleinen Mädchen. Wer das sei, fragt Sabine Strain. „Das ist die Tochter meiner Enkelin.“ Kurze Pause. „Dann sind sie ja schon Uroma, Frau Sandt“, erwidert die junge Frau. Und die ältere blickt erstaunt drein. „Uroma? Oh mein Gott!“

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