Noch kein Urteil in Sachen Hof Holz

Angelika Wölke
Im Mai 2014 war die Welt noch in Ordnung: Damals übernahm die Familie Holz den gleichnamigen Hof in Beckhausen. Jetzt treffen sich die Gesellschafter mit ihrem Ex-Geschäftsführer vor Gericht.
Im Mai 2014 war die Welt noch in Ordnung: Damals übernahm die Familie Holz den gleichnamigen Hof in Beckhausen. Jetzt treffen sich die Gesellschafter mit ihrem Ex-Geschäftsführer vor Gericht.
Foto: WAZ FotoPool
Essens Landgerichts-Richter Dr. Hans-Dieter Kahleyß schließt die Beweisaufnahme ab. Ex-Geschäftsführer des Hofes Holz in Gelsenkirchen-Beckhausen klagt gegen Gesellschafter-Familie. Urteil wird den Partein zugeschickt

Einen Beschluss oder ein Urteil gab es gestern nicht. In der Streitsache zwischen dem ehemaligen Geschäftsführer des Hofes Holz, Rolf Keusgen, und seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Familie Holz, schloss Richter Dr. Hans-Dieter Kahleyß vor dem Landgericht Essen die Beweisaufnahme ab. Ein Urteil will er in den nächsten Wochen verkünden.

Zum Hintergrund: Nachdem die Familie Holz den Betrieb an der Braukämperstraße 2014 aus dem Insolvenzverfahren gerettet hatte, stellten sie Keusgen als Geschäftsführer ein und gaben ihm einen Arbeitsvertrag über fünf Jahre. Doch bereits nach drei Monaten verabschiedete sich die Familie Holz von dem Mann.

Pizzabäcker ohne Rücksprache eingestellt

Vorgeworfen wurde ihm vom Arbeitgeber, einen Pizzabäcker ohne ihr Wissen eingestellt zu haben, das erarbeitete Gastrokonzept nicht richtig umgesetzt zu haben. Außerdem habe er seine Frau auf dem Hof beschäftigt und ein schludriges Kassenbuch geführt.

Zweieinhalb Stunden befragte Richter Dr. Hans-Dieter Kahleyß gestern Zeugen. Christian und Mechtild Holz, die beiden Gesellschafter der GmbH sowie Markus Holz als deren ehrenamtlicher Berater sollten Licht ins Dunkel des Kündigungstages am 17. Oktober 2014 zu bringen.

„Provozierende Reaktion“

Erster Knackpunkt: Hatte Rolf Keusgen mit seiner Einlassung „Ich gehe“ eine Kündigung gegenüber seinem Arbeitgeber ausgesprochen? Nach einer Auseinandersetzung präsentierten Markus und Christian Holz an diesem Tag ihrem Geschäftsführer einen Brief, in dem seine Aufgabenfelder neu definiert wurden. „Wir forderten eine dezidierte Liquiditätsplanung, wollten, dass ein Kassenbuch geführt wird und forderten einen Internet-Auftritt“, erklärte Markus Holz vor Gericht.

„Ich fand die Reaktion von Rolf Keusgen provozierend“, ergänze er. „Wenn ich das Alles machen muss, komme ich nicht mehr zu meiner Arbeit“, soll Keusgen erwidert haben. Zudem soll er nach dem Gespräch sein Auto mit Küchenutensilien und Akten vollgepackt haben und verschwunden sein. Darauf hätten die Gesellschafter die erste Kündigung ausgesprochen.

Diskussion um Geschäftsordnung

Zweiter Knackpunkt: Trotz einer vorliegenden Geschäftsordnung habe Keusgen einen Pizzabäcker eingestellt. Er habe sich bei den Gesellschaftern nicht das Okay eingeholt, obwohl der Mann mehr als 1500 Euro im Monat verdienen sollte.

Allerdings: Als Keusgen seinen Geschäftsführer-Vertrag unterschrieb, gab es diese Geschäftsordnung noch nicht. Und: In dem Vertrag soll von 1800 Euro die Rede gewesen sein, erklärte Keusgen-Anwalt Thomas Vomfell. Richter Dr. Hans-Dieter Kahleyß wird sein Urteil jetzt fällen und den Beteiligten in den nächsten Wochen mitteilen.