Neuers „Manus“ in Buer hat sich etabliert

„Hier sind unsere Freunde, hier wird uns geholfen“, sagen übereinstimmend (v.l.) Isabella, Cheyenne, Erkan und – neben der pädagogischen Leitung Katrin Zierhut – Valentina.
„Hier sind unsere Freunde, hier wird uns geholfen“, sagen übereinstimmend (v.l.) Isabella, Cheyenne, Erkan und – neben der pädagogischen Leitung Katrin Zierhut – Valentina.
Foto: Funke Foto Services
Knapp ein Jahr nach dem Umbau einer Stadtvilla zu einer Einrichtung für benachteiligte Kinder und Jugendliche hat sich Manuel Neuers „Manus“ etabliert. Bis zu 70 Kinder essen dort, nutzen Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote.

Gelsenkirchen-Buer..  Blitzlichtgewitter, TV-Kameras, Bodyguards: Ein Hauch von Hollywood wehte durch Buer, als Manuel Neuer vor knapp einem Jahr sein Kinder- und Jugendhaus „Manus“ an der Urbanusstraße eröffnete – gegenüber der Lindenschule, wo er einst Lesen und Schreiben gelernt hatte. Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt. Und geht’s nach den Besucherzahlen, hat sich die Anlaufstelle (nicht nur) für Benachteiligte etabliert: Zwischen 30 und 70 Kinder und Jugendliche stürmen sie montags bis freitags, um dort Mittag zu essen, Hausaufgabenbetreuung oder Freizeitangebote zu nutzen, Überraschungen inklusive: Dreimal hat der Nationaltorwart „sein“ Haus spontan besucht.

„Wir sind zufrieden mit der Auslastung“, lautet denn auch eine erste Bilanz von Sozialpädagogin Katrin Zierhut, pädagogische Leiterin des „Manus“. Sie betreut mit zwei weiteren hauptamtlichen Kräften, zwei Bundesfreiwilligendienstlern und drei Ehrenamtlern die Kinder zwischen sechs und 18 Jahren – und oft genug auch deren Eltern: „70 bis 80 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund, darunter auch Flüchtlinge, deren Eltern kaum Deutsch sprechen. Diese fragen uns manchmal vor Behördengängen um Rat“, freut sich die 33-Jährige, „dass diese Familien so ein großes Vertrauen zu uns haben“.

Mehrheit aus Buer

Und die Kinder? „Viele genießen es richtig, gemeinsam mit uns zu essen und zu reden. Das kennen nicht alle von zu Hause.“ Auch der Gesprächskreis nach den Hausaufgaben, bei dem die Angebote vorgestellt werden – Koch-, Gesangs-, Tanzkurs und Schwarzlichttheater, Ball- und Bewegungsspiele, PC-Kurse und Kreativangebote sowie Rap- und DJ-Workshop – sei beliebt. „Besonders gefragt sind die Ballspiele von Manuels Vater Peter und von Manuels früherem Torwarttrainer Siegbert Hüneborn, die diese ehrenamtlich anbieten. Da hoffen viele, als Talent entdeckt zu werden...“

„Bedarf ist da“

Das ursprüngliche Ziel der Manuel-Neuer-Kids-Foundation als gemeinnütziger Träger-Gesellschaft, Kinder auch aus dem Stadtsüden nach Buer zu locken, ist freilich nicht aufgegangen. „90 Prozent unserer Klientel kommt aus Buer. Aber wenn es keinen Bedarf gäbe, wäre unser Haus nicht jeden Tag so gefüllt“, sieht sie den Vorwurf etwa der Falken vom Paul-Loebe-Haus, das „Manus“ im „gutsituierten Buer“ sei unnötig, nicht als gerechtfertigt an. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, meint auch Stiftungs-Geschäftsführer Hendrik Schulze-Oechtering.

Kiwi-Ernte vorbeigebracht

Er ist froh, dass die Einrichtung „vom Gros der Nachbarschaft“ positiv aufgenommen werde. „Ein Nachbar hat angeboten, unseren Rasen mitzumähen, ein anderer seine Kiwi-Ernte vorbeigebracht.“ Zwar habe es Beschwerden über den Lärm spielender oder musizierender Kinder gegeben. „Das haben wir aber jetzt im Griff. Wir schließen dann einfach die Fenster und die Rollläden.“

Was er sich für die Zukunft wünscht? „Dass das ,Manus’ von der Stadt mehr gewertschätzt wird. Es ist schließlich nicht selbstverständlich, nach der Erstinvestition von 1,5 Millionen Euro jährlich noch mal 270 000 Euro für den Betrieb aufzubringen.“

 
 

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