Mut machen zum Studium

Foto: Heinrich Jung
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Gelsenkirchen-Horst. „Als ich 15 war, kam ein Berufsberater in die Schule und riet mir, Maurer oder Frisör zu werden. Damals glaubte ich nicht mehr daran, je das Abitur zu machen, auch, weil ich aus einer türkischen Familie stamme.“ Heute ist Ilhan Gündogan 27 Jahre alt, hat sein Studium der Wirtschaftswissenschaften erfolgreich abgeschlossen und arbeitet bei einem großen Unternehmen.

Seine Ängste und das Gefühl, keine Chance zu haben, hat er aber nicht vergessen. So war er auch vor gut zwei Jahren Feuer und Flamme, als die Idee geboren wurde, als Mentor in Schulen angehenden Abiturienten aus eher bildungsfernen Familien beim Start in eine akademische Laufbahn zu helfen.

In diesen Tagen ging das dritte Mentoren-Projekt in der Gesamtschule Horst zu Ende – und alle Beteiligten, 28 Schüler, sechs Mentoren, Lehrer und Hochschul-Vertreter, zogen eine Erfolgs-Bilanz.

Geboren wurde die Idee bei der TD-Plattform, einem Zusammenschluss türkisch-deutscher Studierender und Akademiker. Um das Mentoren-Programm zu verwirklichen nahm man noch andere Partner ins Boot, um ein Netzwerk zu bilden. So spielt zum Beispiel die Westfälische Hochschule und deren Koordinator Talentförderung Suat Yilmaz eine wichtige Rolle bei dem Projekt in Horst. Mit dabei ist auch die Volkshochschule Gelsenkirchen. Yilmaz und der Horster Gesamtschul-Lehrer Abbas Mordeniz waren neben den Mentoren Gizem Karaggülmez, Indira Hodzic, Baris Kayadelen und Yasmin Manafpour die Haupt-Ansprechpartner und Motivatoren für die 28 Horster Schüler.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, Mut zu machen und Potenziale zu wecken. Unser Prinzip ist die Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Hochschul-Koordinator Yilmaz das Arbeitsprinzip. „Kinder aus Migrantenfamilien oder aus bildungsfernen Schichten sind oft die ersten in der Familie, die überhaupt an das Abitur denken. Beim Übergang von der Schule können können sie da keine Hilfe von ihren Eltern erwarten“, erinnert sich Ilhan Gündogan an seine eigene Situation. Daher sind es schon einfache Informationen über BAföG, Studienplatz-Wahl oder was Seminare oder Vorlesungen sind, die den Schritt zum Studium erleichtern.

Die Treffen der Gruppe fanden immer Samstags statt, da sowohl Schüler als auch die oft schon arbeitenden Mentoren dann ohne Zeitdruck zusammenkommen konnten. Während der Woche standen dann auch noch Besuche an Universitäten oder in der realen Arbeitswelt, zum Beispiel bei BP, auf dem Programm. „Das wichtigste aber ist, dass wir es an unseren Mentoren sehen konnten, dass man es schaffen kann“, bestätigt ein Schüler den Erfolg des Projektes.

 
 

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