MPG-Pilot gibt Steuer ab

Christiane Rautenberg
Reinhard Linnenbrink mal nicht am Schreibtisch: Auf diese Lebensphase freut sich der scheidende MPG-Leiter schon.
Reinhard Linnenbrink mal nicht am Schreibtisch: Auf diese Lebensphase freut sich der scheidende MPG-Leiter schon.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer. Zwölf Jahre saß er am Steuer des Max-Planck-Gymnasiums (MPG). Ob Einführung der 90-Minuten-Stunde oder mittelfristige Hausaufgaben-Abschaffung: Leiter Reinhard Linnenbrink (62) nahm Fahrt auf Richtung innovative Umstrukturierung. Durchaus werbewirksam, wie wachsende Anmeldezahlen belegen. Nun überlässt er das Navigieren einem anderen Piloten. Seine liebste Trophäe hat er 2011 eingefahren – sehr gute Ergebnisse bei der Qualitätsanalyse der Bezirksregierung, dem „Schul-TÜV“.

Etwas abgehetzt erscheint er zum Abschiedsinterview, viel ist noch zu tun auf den letzten Metern: den neuen Stundenplan aufstellen, Unterricht verteilen, knapp 700 Zeugnisse unterschreiben: „Ein sanfter Ausstieg ist das nicht “, räumt der Bochumer ein.

Er hat sich bewusst entschieden für die Altersteilzeit, „um endlich wieder Herr über meinen Terminplan zu sein und mehr Zeit für Literatur, Theater und mehrtägige Radtouren mit meiner Frau zu haben“. Denn die zwölf Jahre als Schulleiter „waren schon sehr dicht; Gymnasialleitung ist ein Knochenjob.“

Image der Eliteschule

Aber in seinem Fall einer, der dem MPG nach außen den Anstrich eines flotten Flitzers verliehen hat: Er wagte sich an die Erprobung der Doppelstunde heran, um mehr Ruhe in die Stoffvermittlung zu bringen; verkündete mittelfristig – nicht ohne Kritik – nahezu das Aus der Hausaufgaben, damit die G-8-Schüler mit verkürzter Abiturzeit mehr Freizeit haben; nahm Italienisch als Oberstufen-Fremdsprache in den Fächerkanon auf; in seiner Amtszeit sank auch die Zahl der Fünft- und Sechstklässler, die nach der Orientierungsphase wegen fehlender gymnasialer Eignung das MPG verlassen.

Entsprechend gelassen reagiert er auf das Image der Eliteschule. „Von 120 Fünftklässlern sind es nach Klasse 6 drei/vier, die abgehen. Das bestätigt mir: Wir machen anspruchsvollen Unterricht, fördern die Schüler gut. Dabei ist ein Schulleiter nur so gut wie seine Mannschaft.“ Dass die Verkürzung der Abizeit von neun auf acht Jahre für eine holprige Fahrt sorgte, gibt er zu. „Das Nebeneinander von G 8 und 9 war schon eine Herausforderung für die Lehrer.“

Aber: „Ich zähle nicht zu denen, die G 8 verteufeln. Dadurch wird den Schülern ein Jahr Lebenszeit geschenkt. Allerdings gestaltet sich ihr Alltag schon anstrengender.“ Bei einem direkten Vergleich sei das G8-Abitur „nur zwei Stellen hinter dem Komma schlechter, also marginal“.

Des Schulleiters „Sternstunden“? „Als uns Münster bei der Qualitäts-Analyse sehr gute Arbeit bescheinigte, explizit auch der Leitung. Das war toll. Dann das internationale Arts Festival 2005. Und die Aufführungen der ,Dreigroschenoper’ mit meiner Theater-AG; damals war ich noch kein Schulleiter, aber diese Arbeit hat mich sehr erfüllt.“