Mit Glühwein zum Gloriablasen

Christiane Rautenberg
Regen, Wind, Schnee und Eis halten sie nicht auf: Die Musiker des Bergwerksorchesters Consolidation beim Gloriablasen in Buer.
Regen, Wind, Schnee und Eis halten sie nicht auf: Die Musiker des Bergwerksorchesters Consolidation beim Gloriablasen in Buer.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer.  Zu Weihnachten gehören Christbaum, Geschenke – und das Gloriablasen am Rathaus Buer. Auf dieses Ritual schwören am Heiligabend, 17 bis 18 Uhr, mehrere hundert Zuhörer: Nach oder vor Kirchgang, Festessen und Bescherung versammeln sie sich an der Goldbergstraße, um den Klängen des Bergwerksorchesters Consolidation zu lauschen. In diesem Jahr wird der Brauch 100 Jahre alt.

Wie etabliert das buersche Gloriablasen mittlerweile ist, zeigt die professionelle Ausstattung der Zuhörer aller Altersklassen: Mit Klappstühlen, Glühwein in der Thermoskanne, Kakao und Wunderkerzen rücken die Fans an, um sich in Feststimmung zu bringen. Die Musiker unter der Leitung von Gerd Dammann leisten derweil Beeindruckendes neben der 1000-Jahres-Linde: Regen, Wind, Schnee und eisigen Temperaturen trotzend, gelingt ihnen das Kunststück, ihren Instrumenten stimmungsvolle Stücke wie „Alle Jahre wieder“ oder „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu entlocken – historische Weihnachts- und Kirchenlieder, wie das Publikum sie erwartet.

Die Ursprünge des Gloriablasens reichen bis in das Jahr 1912 zurück, in dem auch das Rathaus eingeweiht wurde. Damals stiegen die Musiker noch auf den 64 Meter hohen Turmumgang, von dem aus das gesamte Ruhrgebiet zu sehen ist. Eingeführt wurde der Brauch vom Verein für Orts- und Heimatkunde Buer auf Anregung seines Schriftführers, Oberschullehrer Kemper, so der in diesem Jahr verstorbene buersche Heimatforscher Dr. Heinrich Ermeling in einem Beitrag für den Vestischen Kalender 2007. Kemper habe sich beim Anblick des neuen Rathausturms an die Tradition des Gloriablasen vom Turm der St.-Petri-Kirche in seiner Heimatstadt Soest erinnert gefühlt.

Es waren zumeist Bergmannskapellen, die sich für den Brauch begeisterten. Als erstes namentlich erwähnt ist die preußische Bergkapelle Bergmannsglück, es folgten ab 1928 das Blasorchester des Hindenburg-Gymnasiums (heute Max-Planck-Gymnasium) unter der Leitung von Musiklehrer Josef Fasbender und Anfang der 1930-er Bläser des Bergwerksorchesters Consolidation unter Dirigent August Nagel. 1968 übernahm Herbert Wendt die Leitung.

1998 mussten sich Musiker und Zuhörer an einen anderen Standort gewöhnen: Der Turm war wegen Reparaturarbeiten gesperrt, so dass die Kapelle auf den Balkon über dem Haupteingang ausweichen musste. Mittlerweile findet das einstündige Konzert am Rathaus-Eingang an der Goldbergstraße statt: Die Akteure schätzen die Nähe zum Publikum und zur festlichen Beleuchtung des Weihnachtsbaums. Das Strahlen in den Augen der Zuhörer ist dort viel deutlicher zu sehen als vom Balkon.