Mit der Kompetenz von nebenan

Foto: Thomas Schmidtke
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Die Berufswelt der Erwachsenen kennenzulernen, eigene kreative Fähigkeiten zu entwickeln und zu zeigen, sich fit zu machen für die Ausbildung oder ganz einfach mal träumen in der Welt der Phantasie sind einige der Ziele, die mit dem Bergmannsglücker Bildungsprojekt erreicht werden sollen.

Gelsenkirchen-Hassel. . Gerade noch 148 Mails gecheckt, mal eben ins Internet geschaut, Klingeltöne heruntergeladen, Musik gehört, eine Notiz verfasst, eine Kurzmitteilung verschickt. Mit modernen Telefonen, die in eine Hosentasche passen, kann man alles machen - ja sogar auch telefonieren. Wie sich die Wunderwelt der Kommunikation verändert hat, erfuhren die Schüler der Förderschule an der Bergmannsglückstraße von Manfred Spaltner. Der wohnt gleich nebenan, ist Experte für Fernmeldetechnik und macht mit beim Bergmannsglücker Bildungsprojekt.

Auf einem Tisch im Klassenraum der Klasse 3 hat der 73-Jährige einige Schmuckstücke aus seiner Sammlung von Fernsprechapparaten aufgebaut. Schmucke Holzkisten mit Metallbügeln zum Beispiel, die diesen Griff tragen, an dessen Ende ein kleiner Lautsprecher und ein Mikrofon montiert sind. „Den Finger in das Loch stecken und die Wählscheibe bis zum Anschlag ziehen“, erläutert Spaltner die schon fortgeschrittene Technik eines Selbstwähltelefons, das damals das Fräulein vom Amt arbeitslos machte und den Kindern des Handy-Zeitalters so seltsam fremd vorkommt. Wie legt man den Hörer richtig auf die Gabel? Erst wählen und dann den Hörer abnehmen? Oder umgekehrt? Alles Fragen, die noch vor ein paar Jahren niemand zu stellen brauchte.

Den Weg in die elektronische Telefonwelt markiert das Tastentelefon, zu Beginn der 1980er Jahre von der Deutschen Bundespost gerne auch mal in einem beißenden Orange angeboten. „Ein Tastentelefon“, erklärt Manfred Spaltner den Kindern, „das kennt ihr vielleicht noch, das hat die Oma oder der Opa.“

Die Berufswelt der Erwachsenen kennenzulernen, eigene kreative Fähigkeiten zu entwickeln und zu zeigen, sich fit zu machen für die Ausbildung oder ganz einfach mal träumen in der Welt der Phantasie sind einige der Ziele, die mit dem Bergmannsglücker Bildungsprojekt erreicht werden sollen. Angestoßen von Monika Schmidt-Brockmann und Kira Schmidt vom Alfred-Schmidt-Haus, nahm die Idee von der pädagogischen Nachbarschaftshilfe zu Beginn dieses Schuljahres Gestalt an. So erzählte Wolfgang Steffen in Kumpel-Klamotten von seiner Arbeit als Bergmann auf der Zeche Westerholt, Kira Schmidt begleitete die Schüler bei einem Bewerbungstraining und ihre Mutter las den Erstklässlern am Nikolaustag eine Weihnachtsgeschichte vor. Weitere Bergmannsglück-Nachbarn haben ihren Besuch in der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung zugesagt. So wird demnächst ein Drogenfahnder aus seinem Alltag berichten und seine Kollegin wird die Kinder zur Reiterstaffel der Polizei mitnehmen.

Lehrerin Astrid Geipel freute sich, dass der Besuch direkt aus der Nachbarschaft „unsere Schule kennenlernt“. Und Manfred Spaltner war erstaunt über die Fröhlichkeit der Kinder und ihre Unbefangenheit im Umgang mit der historischen Technik. Eine kleine Vermittlung erweckte die Apparate zum Leben. Im Telefongespräch mit einem Klassenkameraden zeigte Jean-Luc, dass Telefone aus der Dienstleistungsgesellschaft nicht mehr wegzudenken sind: „Ich möchte eine Pizza bestellen!“

 
 

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