Lotsen begleiten Flüchtlinge in Gelsenkirchen-Horst

Der Horster Arbeitskreis will sich um Flüchtlinge kümmern: Rico Otterbach, Klaus Strittmatter, Ralf Berghane, Petra Arnold, Kristina Regeniter und Paul Heselmann (v.l.).
Der Horster Arbeitskreis will sich um Flüchtlinge kümmern: Rico Otterbach, Klaus Strittmatter, Ralf Berghane, Petra Arnold, Kristina Regeniter und Paul Heselmann (v.l.).
Foto: Funke Foto Services
In Horst hat sich ein interreligiöser Arbeitskreis gegründet. Sie wollen Asylsuchenden im Alltag helfen, besuchen mit ihnen Behörden und unterstützen die Asylbewerber beim Umzug. Jetzt werden weitere Ehrenamtler gesucht.

Andere Kultur, neue Sprache, fremde Menschen: Es ist unsicheres Fahrwasser, in das sich Flüchtlinge wagen. Um ihnen die Orientierung vor Ort zu erleichtern, haben die katholische Pfarrei St. Hippolytus sowie die evangelische, freie evangelische und muslimische Gemeinde in Horst einen interreligiösen Arbeitskreis von „Lotsen“ gegründet. Der Kurs: die Klippen des Alltags in der neuen Heimat zu umschiffen.

Im September war es, bei einem Treffen mit der damaligen Sozialdezernentin Karin Welge, als den Vertretern der Horster Gemeinden klar wurde: Den Asylsuchenden nur ein Dach über den Kopf zu geben, könne nicht ausreichen. „Ohne Hilfe bekommen sie den Alltag nicht geregelt. Nicht weil sie blöd wären, sondern weil sie sich hier nicht auskennen“, so Klaus Strittmatter (70) von der evangelischen Gemeinde Horst.

Beim Umzug helfen

Er betreut eine dreiköpfige syrische Familie, half mit seinem privaten Pkw-Anhänger beim Umzug von der Gemeinschaftsunterkunft an der Wildenbruchstraße in eine eigene Wohnung in Horst, bei der Möbelsuche und Behördengängen. Den Erstkontakt stellte die Ehrenamtsagentur her, die bei allen Fragen der Lotsen ansprechbar bleibt. „Wir verständigen uns mit Händen und Füßen oder über eine Übersetzung-App. Das klappt gut.“

„Toll ist, dass uns durch die muslimische Gemeinde an der Industriestraße arabisch sprechende Lotsen zur Verfügung stehen“, so Rico Otterbach (37) von der freien evangelischen Gemeinde, der fünf Syrer und einen Algerier begleitet und ganz begeistert ist von dem Kontakt mit den neuen Kulturen. „Es ist spannend, andere Menschen kennenzulernen, absolut bereichernd!“, schwärmt auch Paul Heselmann (64), Diakon in St. Hippolytus. „Wenn die zwei sechs- und siebenjährigen Jungs, die ich mitbetreue, mich dankbar anstrahlen, macht mich das unglaublich zufrieden.“

Fünf Lotsen

Die bislang fünf Lotsen des Arbeitskreises würden sich über Verstärkung freuen. „Anfangs, in der Zeit des Umzugs, muss man etwa 20 Stunden Zeit in der Woche investieren. Aber es ist kein 24-Stunden-Job“, so Heselmann. Durch die Kooperation mit der Ehrenamtsagentur und das Arbeitskreis-Netzwerk werde niemand allein gelassen. „Ein Anruf reicht oft aus, um etwa einen Transporter oder Bettwäsche zu organisieren“, so Heselmann. Interessierte können sich per Mail (pfarramt@hippolytus.de) oder telefonisch (55522) melden.

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