Imam in Hassel freut sich über Angriff auf Gülen-Zentrum

Angelika Wölke
Um „Zurückhaltung und für ein friedliches Miteinander“ bittet der Vorbeter freitags in Hassel.
Um „Zurückhaltung und für ein friedliches Miteinander“ bittet der Vorbeter freitags in Hassel.
Foto: WAZ FotoPool
  • Erdogans Hasstiraden gegen die Gülen-Bewegung reichen bis ins Ruhrgebiet

  • Stadt versucht mit Moscheevereinen ins Gespräch zu kommen und schreibt einen Brief

  • Verbände vor Ort reagieren nicht – Stimmung sei bisher friedlich

Gelsenkirchen. „Dass daraufhin die Stellen der Parallelorganisation in Hassel geschlossen und die türkische Flagge angebracht wurde, hat mich sehr gefreut. Allah möge Euch lohnen!“ Diese Aussagen soll der Imam der Hasseler Ditib-Moschee nach dem Angriff auf das Jugendzentrum der Gülen-Bewegung getätigt haben - berichtete das TV-Magazin Report Mainz am Dienstagabend. Eine Nachfrage in der Moschee am Freistuhl brachte eine erschreckende Erkenntnis. „Der Imam hat das anders gemeint“, erklärte Dursun Kilic vom Moscheevorstand. „Rufen Sie den Dachverband von Ditib in Köln an. Ich bin nicht der Vorgesetzte. Wir haben damit nichts zu tun“, sagte Kilic weiter.

Ein paar Stunden früher, am Mittwochmorgen hatte Kilic noch erklärt: „Bei uns ist alle friedlich“. Warum der Vorbeter aber an jedem Freitag im Vorfeld des gemeinsamen Gebets um „Zurückhaltung und für ein friedliches Miteinander“ werbe, das wisse er, Kilic, nicht so genau. Überhaupt: Die Menschen kämen freitags nach Hassel zum Beten, nicht zum Diskutieren.

Reden will Kilic nicht. Auch nicht darüber, warum der Moscheeverein nicht auf das Schreiben von Stadtdirektor Dr. Manfred Beck reagiert hatte. Der hatte nach den Übergriffen türkischer bzw. türkischstämmiger Menschen auf einen vermeintlichen Jugendtreff der Gülen-Bewegung in Hassel reagiert. Die Gewalteskalation nahm Beck zum Anlass, alle Moscheevereine in der Stadt anzuschreiben. „Eine Rückmeldung ist bei uns bisher nicht eingetroffen“, sagte Stadtsprecher Martin Schulmann.

Menschen kommen zum Beten

„Wir haben keinen Brief von der Stadt erhalten“, sagt Dursun Kilic knapp. Und befindet sich in bester Gesellschaft mit brahim Gökyar vom Islamischen Sozialverband und Bildungszentrum in der Schüngelbergsiedlung. In dem Moscheeverein, der nach Aussage Gökyars der islamischen Organisation Milli Görüs, die jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, nahe steht, sei der Brief der Stadt ebenfalls nicht angekommen.

Zwei Stunden später meldet sich Gökyar erneut in der Redaktion und erklärt: Nun sei der Brief doch da. Allerdings habe der Moscheeverein keinen Anlass gesehen, der Stadt zu antworten. Es sei ja alles friedlich am Schüngelberg. „Warum soll ich die Leute stören?“, fragt Gökyar.

Ibrahim Gökyar, der nach eigener Auskunft zur Zeit alle Moscheevereine in Gelsenkirchen vertritt, lebt seit 35 Jahren in Deutschland und meint, dass jeder seiner Landsleute die Demokratie schätzt.

Keine Auseinandersetzungen

„Der Angriff auf das Jugendzentrum in Hassel war eine Kleinigkeit“, sagt er. Es seien in Deutschland schließlich auch schon viele Moscheevereine in der Vergangenheit angegriffen worden.

Und eigentlich hat er auch schon einen Schuldigen aufgetan: die Medien nämlich. „Die Medien hetzen“, ist er überzeugt. Die deutschen Medien sollten sich aus den inneren Belangen der Türkei heraushalten.