Horst: Kurze Wege für Tafel-Kunden

Ehrenamtliche Helfer packen zwei Mal in der Woche die Lebensmittelkörbe – Rezepte zur Verarbeitung gibt’s etwa von Michaela Nitsche (3.v.l.) bei Bedarf obendrein.
Ehrenamtliche Helfer packen zwei Mal in der Woche die Lebensmittelkörbe – Rezepte zur Verarbeitung gibt’s etwa von Michaela Nitsche (3.v.l.) bei Bedarf obendrein.
Foto: Funke Foto Services
Wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig war, mussten Hartz-IV-Empfänger aus Horst bislang immer mobil sein. Nun finden sie auch vor Ort an der Horst-Gladbecker-Straße 5 eine Anlaufstelle.

Gelsenkirchen-Horst..  Wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig war, mussten Hartz-IV-Empfänger aus Horst bislang immer mobil sein: Der Weg zu den Lebensmittelspenden der Tafel führte über den Kanal in den Stadtsüden oder hinauf nach Buer. Nun finden sie auch vor Ort eine Anlaufstelle: Der Verein hat gerade an der Horst-Gladbecker-Straße 5 eine neue Ausgabestelle eröffnet, um seinen Kunden weite Wege und Fahrtkosten zu ersparen.

„Wir haben an der Brockhoffstraße in der Altstadt und am Nordring in Buer 100 Familien aus Horst betreut; die Zahl der Bedürftigen nimmt weiter zu“, begründet Tafel-Vorsitzende Sigrid Weiser die Entscheidung für den neuen Standort – Nummer 6 im Stadtgebiet.

Gerechte Verteilung

Angemeldete Kunden können nun an der Horst-Gladbecker-Straße – nahe der Straße Auf dem Schollbruch – dienstags oder mittwochs zwischen 10.30 und 12.30 Uhr gegen eine Spende von zwei Euro die unterschiedlichsten, von Firmen gespendeten Lebensmittel beziehen. Damit es gerecht zugeht, haben ehrenamtliche Helfer Körbe mit Waren gepackt, etwa mit Molkereiprodukten, Wurstwaren, Obst und Gemüse. „Unsere Kunden können die Inhalte komplett bekommen, aber natürlich auch zurücklegen, was sie nicht mögen.“ Für Muslime werden Extra-Körbe ohne Schweinefleisch gepackt.

Diskretion

An diesem Morgen tröpfeln die Kunden noch in das Ladenlokal mit dem blitzblank gewischten Granitfußboden und der großen Fensterfront, die vor den Blicken allzu Neugieriger durch freundlich-hellgraue Gardinen geschützt ist. Die Verantwortlichen der Tafel wissen: Diskretion ist ihren Kunden sehr wichtig, nicht jeder soll wissen, dass sie dort Lebensmittel bekommen. „Wir haben alle Kunden mit der Postleitzahl 45899 über die neue Anlaufstelle informiert, die jetzt für sie zuständig ist. Damit wollen wir die beengte Situation besonders in der Altstadt entkrampfen.“

Schlange stehen muss an diesem Morgen niemand in Horst: „Es geht alles ganz fix“, freut sich Andreas Bross (36), der bisher immer zur Brockhoffstraße gefahren ist, um Waren für seine sechsköpfige Familie zu besorgen. Dass sich heute auch exotisches Gemüse in den Körben befindet – Okraschoten etwa oder eine Kreuzung zwischen Grün- und Rosenkohl – findet der Hobbykoch gut. „Daraus lässt sich eine tolle Gemüsesuppe machen.“ Sein Sohn verpackt derweil überrascht einige Schoko-Nikoläuse für sich und seine drei Geschwister.

Wundertüte

Die Tafel ist eben eine Wundertüte, „weil wir nie wissen, welche und wie viele Waren wir bekommen“, so Sigrid Weiser. Fest steht aber: Ohne diese vielen Spenden würden etliche Familien kaum über die Runden kommen – in Gelsenkirchen sind es rund 4500 Menschen wöchentlich.

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