Geschichten aus anderen Welten

Ellen Norten erinnert an die Werke von Hubert Katzmarz, der vor zehn Jahren verstarb. Sie erscheinen in einer zweibändigen Sammlung.
Ellen Norten erinnert an die Werke von Hubert Katzmarz, der vor zehn Jahren verstarb. Sie erscheinen in einer zweibändigen Sammlung.
Foto: WAZ FotoPool
Der Autor Hubert Katzmarz verarbeitete das Sturmgewitter in seinem Kopf literarisch.Vor zehn Jahren verstarb der einstige Bueraner.

Gelsenkirchen-Buer.  Er wuchs in Buer auf. Der Stadtteil prägte ihn. Und hier und da ließ sich Hubert Katzmarz von Buer für seine Geschichten inspirieren. Vor zehn Jahren verstarb der Autor und Verleger in seiner Wahlheimat Bonn. Seine Witwe, Ellen Norten, kehrte zurück in die buersche Heimat und brachte nun seine gesammelten Werke in zwei Büchern heraus.

Hubert Katzmarz wurde 1952 in Recklinghausen geboren. Früh zog er mit seinen Eltern nach Buer, wuchs hier auf – und schrieb erste Geschichten. „Schon im Alter von fünf Jahren hat er die Geschichte vom fliegenden Fisch geschrieben, die er später überarbeitet hat und die nun in einem der Bücher enthalten ist“, erinnert sich Ellen Norten, die Jugendliebe des Autors. „Er war mein erster Freund. Wir haben uns damals im Fuck kennen gelernt“, lacht die Witwe. Dann, erzählt sie, habe ihr Mann Anglistik und Germanistik studiert. Für das Studium der Kommunikationsforschung ging er nach Bonn, wo er bis zu seinem Tode lebte. 1986 eröffnete Katzmarz einen Kleinverlag, publizierte die Arbeiten anderer. Darunter auch ein Buch mit Geschichten seines Vaters Josef. Ein Buch des Verlegers selbst aber entstand zu dessen Lebzeiten nicht. Dennoch schrieb er kontinuierlich. „Er wollte nicht vergessen werden – das war ihm wichtig.“

Es sind Horror- und Science-Fiction-Geschichten, die Hubert Katzmarz sein Leben lang, meist unter dem Pseudonym „Bertram Kuzzath“ schrieb. Sie sind etwas für Liebhaber des Genres, die eine deskriptive wie zuweilen drastische Sprache schätzen. Der Autor beschreibt intensiv Gefühle, von der Angst bis zur Lust, die sich in zuweilen skurrilen Situationen aufbaut und entlädt. Geeignete Lektüre für Jugendliche sind die Geschichten in mehrerer Hinsicht nicht. Zuweilen haben sie fast aphorismenhaften Charakter. Oftmals brauchte Katzmarz nur wenige Sätze, um eine Geschichte zu erzählen. Die allererste, vom fliegenden Fisch, ist rund anderthalb Buchseiten lang. Sie berichtet von einem einsamen Fisch, den die Vögel einladen, mit ihm zu fliegen. Das versucht er auch. Doch der Satz aus dem Weiher endet am Ufer, wo der Fisch binnen kürzester Zeit stirbt.

Für einen kleinen Jungen ist das keine normale Geschichte. Kein Wunder, denn Hubert Katzmarz war anders. „Er litt seit seinem vierten Lebensjahr an Epilepsie“, berichtet Ellen Norten. Auch davon, dass der junge Mann davon nichts wusste, die Eltern es ihm nicht sagten. „Aber er fühlte natürlich dieses Sturmgewitter in seinem Kopf. Daher haben seine Geschichten oftmals etwas Düsteres. Er verstand es, einem den Horror zu vermitteln.“ Und der kommt recht häufig vor, in den Geschichten des einstigen Bueraners. Etwa, wenn er einen Mädchenmörder am Berger See wüten lässt. Dann wieder spielen seine Geschichten in fiktiven Gegenden – manchmal sogar in gar keiner. Dann ist einfach die Fantasie des Lesers gefragt.

 
 

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