Frank Sinatra ganz nah

Von Christiane Rautenberg
Andreas Est ist seit seiner Jugend ein bekennender Sinatra-Fan.Foto: Thomas Schmidtke
Andreas Est ist seit seiner Jugend ein bekennender Sinatra-Fan.Foto: Thomas Schmidtke
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer.  Herzblut investiert so ziemlich jeder Sammler in sein Hobby. CDU-Kommunalpolitiker Andreas Est aus Buer ging als Schüler und Student jedoch einen schmerzhaften Schritt weiter – und opferte buchstäblich mehrere Liter seines Blutes, um den Kauf neuer Frank-Sinatra-Platten zu finanzieren. Heute hat er das nicht mehr nötig. Allerdings weniger wegen eines üppigen Gehalts, sondern weil nahezu alle Platten, CDs und DVDs von und über den US-Entertainer in seinen Regalen stehen.

Der 13. Oktober 1974 war es, der die Musikvorlieben des damals 14-Jährigen für immer prägen sollte. „Ich durfte im Fernsehen eine Aufnahme des Sinatra-Konzertes in New York sehen. Seine Stimme, der Big Band-Sound, die Arrangements, all das hat mich tief beeindruckt“, erzählt der CDU-Fraktionssprecher der Bezirksvertretung Nord in seinem kleinem Dachgeschoss-Arbeitszimmer, das vollgestopft ist mit Sinatra-Devotionalien wie Tassen, Kalendern, Bildern und Briefmarken mit dem Konterfei des Amerikaners (1915-1998), Bildbänden und Aufnahmen aller 2200 Lieder.

Dass ihn dieser Tag im Oktober 1974, musikalisch gesehen, auch zum Außenseiter machte, nahm der pubertierende Schüler hin: „Klar, wurde ich von meinen Freunden blöd angeguckt. Sie hörten ja Songs von Mike Oldfield oder Shirley Bassey. Aber Macken hat doch jeder!“

Deutsche Sinatra Society

Das mussten auch die Eltern akzeptieren, spielte er doch fortan Sinatra-Platten rauf und runter. „Ich sang alles mit, sogar die Risse und Kratzer“, so der 52-Jährige über die Dauerbeschallung.

Von nun an sammelte Est nahezu alles, wo Sinatra drauf oder drin war: Live-, Weihnachts-, Konzept- und Best-of-Alben, Boxen mit Studioaufnahmen, auch DVDs mit Filmen des Entertainers und Schauspielers. Letztere nur der Vollständigkeit halber: „Für Konzerte würde ich nachts aufstehen, für Filme aber nie bis 23 Uhr wach bleiben.“

Sogar ein Autogramm hütet Est in einem Album. „Angeblich ist es echt. Das lässt sich aber für mich nicht nachprüfen. Vielleicht hat es auch Sinatras Sekretärin unterschrieben“, sagt der Bueraner und verpackt das vergilbte Papier wieder sorgfältig.

Was genau ihn nach so vielen Jahren immer noch für Sinatra brennen lässt, so sehr, dass er jedes Jahr an einer Tagung der „Deutschen Sinatra Society“ teilnimmt, sie 2005 gar nach Buer holte? „Es gibt nur wenige Künstler, die Emotionalität so auf den Punkt genau interpretieren konnten wie Sinatra. Er sang mit so viel Inbrunst – das kommt verdammt toll rüber!“, schwärmt der 52-Jährige und zählt einige seiner (heutigen) Lieblingsstücke auf: „Nice and easy“, „Hungry years“ und „I have you under my skin“.

Live in Wien, Las Vegas und München

Dass Est den großen Sinatra live gesehen hat, versteht sich von selbst: 1984 in Wien („da kostete die Karte noch 50 DM“), 1987 in Las Vegas und 1989 mit Liza Minelli und Sammy Davis jr. in München („dafür habe ich 160 DM bezahlt“). Doch auch er muss einräumen, „dass Sinatras Stimme in den letzten Jahren alt geworden war, weil er rauchte wie ein Geisteskranker und ganze Nächte durchgetrunken hat“.

Als Sinatra am 14. Mai 1998 starb, habe ihn das fast wie der Tod eines Verwandten getroffen, so Est. „Ich habe seine Platten zweieinhalb Tage durchgehört, bis meine kleine Tochter kam und fragte: ,Papa, wann hörst du endlich damit auf?’“ Trotzdem war es Ehrensache, dass Ests Frau Josephine und die Töchter Mila-Marie und Jacqueline ihn 2002 begleiteten, als er bei einer USA-Reise Sinatras Grab auf dem Friedhof von Palm Springs besuchte. „Als wir dorthin fuhren, spielten sie im Radio das erste Mal während unseres Amerika-Aufenthalts ein Sinatra-Lied. Es war ,Close to you’ (,Nah bei dir’, d. Red.) und hat mir eine richtige Gänsehaut eingejagt.“

„Dann geht’s mir wieder richtig gut!“

Und heute? Sammelt der Büroleiter des Hammer CDU-Oberbürgermeisters Thomas Hunsteger-Petermann weiter Neubearbeitungen alter Sinatra-Songs, trägt gerne orangefarbene T-Shirts („Orange war seine Lieblingsfarbe“), und wenn er schlechte Laune hat, legt er Sinatra auf. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten: „Dann geht’s mir wieder richtig gut!“