„Es war eine ganz tolle Zeit“

Foto: Olaf Fuhrmann
Foto: Olaf Fuhrmann
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer.. Dass Geschichte mehr ist als nur eine Abfolge von Daten und Faktent, weiß man auch in der Bewegungs-Kita Niefeldstraße. Da persönliche Geschichten erst die Historie lebendig werden lassen, lud das Kita-Team jetzt „Ehemalige“ ein, um über ihre Erlebnisse zu berichten. Und das nicht ohne Grund, denn vor 100 Jahren wurde die heute städtische Bewegungs-Kita als „Königlich preußische Kleinkinderschule“ gegründet.

Alben, Texte und viele Fotos hatten sie dabei, die schon angejahrten Ex-Kindergarten-Kinder, die Elternvertretern, Kita-Mitarbeiterinnen und einigen Jungen und Mädchen von ihren Erlebnissen in längst vergangenen Zeiten berichteten.

Begeisterung vom Kinderglück in der Bergmannsglück-Siedlung schwingt immer noch mit, wenn sich Charlotte Voß an ihre Kindergartenzeit erinnert: „Schon bevor ich offiziell in den Kindergarten aufgenommen wurde, konnte ich ab 1923 hier spielen. Ich wohnte nämlich im Haus neben dem Kindergarten, und meine Mutter hat mich einfach über den Zaun gehoben. Ich war damals erst zwei Jahre alt.“ Mit einer verblüffenden Gedächtnisleistung kann die alte Dame sich noch genau an Details ihrer Kindergarten-Zeit erinnern: „Ich ging früher in die Gruppe von Fräulein Müller. Wir wurden damals streng nach Konfessionen getrennt, und Fräulein Müller war für uns katholische Kinder zuständig.“

Daran kann sich auch Helmut Hubowitz erinnern, der 1930 als Dreijähriger erstmals den Kindergarten an der Niefeldstraße besuchte. „Da bin ich ja“, vermerkt er mit einem Lachen, als er ein Foto aus dem Jahr 1932 bestaunt, das in der „Ahnengalerie“ des Kindergartens die Wand schmückt. Noch mehr ist Charlotte Voß von den alten Bildern begeistert. Sie kennt sogar noch einige Namen von Jungen und Mädchen, die mit ihr glückliche Jahre in dem schmucken Kindergarten-Bau verbrachten. Und mehr noch, sie hat bei vielen auch noch deren Lebensgeschichte parat, was aus wem später geworden ist: „Die meisten sind hier ja in der Siedlung geblieben, da kennt man sich eben bis heute.“

Sie selbst war von den Kindergarten-Jahren so beeindruckt, dass sie später selber „Kindergärtnerin“ wurde: „Während des Krieges wurde ich mit einer Gruppe evakuiert. Als ich dann aber 1945 zurückkam, hatte man für mich keine Stelle mehr.“ So musste Charlotte Voß den Beruf wechseln und ging später als Buchhalterin in Rente.

Ganz handfeste Erinnerungen bringt Margarethe Schäfer mit in das historische Gebäude an der Niefeldstraße: „Sehen Sie mal hier auf der Stirn die Narbe, die habe ich mir hier in diesem Raum geholt. Damals, es muss 1948 oder 1949 gewesen sein, bin ich mit dem Kopf gegen einen Heizkörper geknallt. Es hat ziemlich geblutet und man hat mir ein weißes Handtuch mit roter Beschriftung um den Kopf gebunden. Meine Mutter hat da einen ganz schönen Schreck bekommen, weil sie dachte, ich hätte durch das Handtuch geblutet.“ Die Narbe ist zwar noch sichtbar, aber ansonsten erlebte die kleine Margarethe, deren Bruder schon drei Jahre früher den Kindergarten besuchte, viel Schönes an der Niefeldstraße: „Das war hier eine ganz tolle Zeit, an die ich mich immer noch gerne erinnere.“

 
 

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