Ein Hauch Europa weht in der Moschee

Dieter Decker
Der Präsident des Europaparlamentes, Martin Schulz, besucht die Dtib- Moschee in Gelsenkirchen-Scholven. Im Bild: Martin Schulz (l) im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Ditib Moschee Cesur Özkaya (2vr) und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Joachim Poß (r).
Der Präsident des Europaparlamentes, Martin Schulz, besucht die Dtib- Moschee in Gelsenkirchen-Scholven. Im Bild: Martin Schulz (l) im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Ditib Moschee Cesur Özkaya (2vr) und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Joachim Poß (r).
Foto: WAZ FotoPool

Draußen bogen sich die Äste des Apfelbaumes unter der Last der Früchte dermaßen, dass sie gestützten werden mussten. Drinnen gab es türkischen Honig. Beides interessierte den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (58), bei seinem Besuch der Moschee in Hassel, am Freistuhl, nur am Rande.

Er war gekommen, um sich über Integration zu informieren und fand dabei eine gute Adresse vor. Mit 600 Mitgliedern ist die türkische DITIB-Gemeinde eine der größten im Ruhrgebiet. Seit 1980 gibt es den Verein in Hassel. Seitdem ist viel passiert. 1994 erhielt der Verein seinen ersten Gebetsraum. Danach folgten einige Veränderungen bis der Verein an der Stätte am Freistuhl sein Domizil gefunden hatte. Im letzten Jahr wurde die Moschee samt Kuppelbau eröffnet. Es ist kein Gotteshaus, in dem nur gebetet wird. „Es finden auch Nachhilfe sowie Musikunterricht und andere Angebote hier statt,“ erläuterte der Vereinsvorsitzende Cesur Özkaya (42) dem prominenten Gast. Der hört aufmerksam zu, ist angetan, von der Integrationskraft und Willen.

Von der Mescid-i Aksa Moschee zeigte sich der SPD-Politiker begeistert: „Ein wunderbarer Ort.“ Angetan ist er vor allem durch die filigrane Arbeit der Künstler, die den hellen und lichten Innenraum durch unzählige handbemalte Kacheln in eine Blaue Moschee verwandelt hat. „Ich bin von der Schönheit und Anmut angetan.“

Doch zu Austausch von Höflichkeiten war der Europapolitiker nicht nach Hassel gekommen. Er nahm sich Zeit, mit Mitgliedern der Gemeinde zu sprechen.

Der Vorsitzende Cesur Özkaya zum Beispiel brennt eines unter den Nägeln. „Ich verstehe nicht, warum ich nicht bei der Kommunalwahl wählen darf“, sagt er. „Ich lebe hier, ich arbeite hier, ich bin Mitglied im Integrationsrat und engagiere mich. Aber mitbestimmen darf ich nicht“, sagt er. Seit 1977 lebt er in Hassel und ist als Siebenjähriger mit seiner Familie ins Revier gekommen.

Doch dieses ist nicht eine europäische, sondern ein Länderangelegenheit in Deutschland. Dennoch forderte Schulz mehr Integration. „Es genügt nicht zu tolerieren, sondern man muss auch Perspektiven aufzeigen, insbesondere im sozialen Bereich.“

Dies gelte im Kleinen wie im Großen. Er forderte mehr Anstrengungen für die Förderung von Bildung, auch in Krisengebieten. Bei der kriegerischen Auseinandersetzung in Syrien zum Beispiel und den jetzt drohenden Maßnahmen frage er sich, so Schulz, ob dies nicht eine Folge von unterlassenen Maßnahmen sei, „die hätten viel früher passieren müssen.“