Domspatzen-Kicker trotzen dem Trend

Trotzen dem Aussterben der Kneipen-Mannschaften: die Mitglieder der Fußball Hobby-Mannschaft FC Domspatzen 66, hier auf ihrem „Heimat“-Sportplatz Löchterheide in Buer.
Trotzen dem Aussterben der Kneipen-Mannschaften: die Mitglieder der Fußball Hobby-Mannschaft FC Domspatzen 66, hier auf ihrem „Heimat“-Sportplatz Löchterheide in Buer.
Foto: Funke Foto Services
70 Siege in den ersten Jahren: Die Bilanz aus den Anfangsjahren des FC Domspatzen 66 kann sich sehen lassen. Dass er weitergemacht hat, aber auch: Während die meisten Kneipen-Mannschaften ausstarben, spielt er weiter – im 50. Jahr.

Gelsenkirchen-Buer..  „In den ersten Jahren legten die Domspatzen eine Serie von über 70 Siegen hin“, gerät Günter Staudt ins Schwärmen, wenn er von seinem „Club“, den „FC Domspatzen 66“, erzählt. Das ist nicht etwa ein renommierter Profiverein, sondern eine Kneipenmannschaft mit Tradition. Einmal in der Woche trat das Team zum Spiel an. Und auch wenn es eine Hobby-Mannschaft war, auf dem Platz gab man alles. „Da ging es richtig zur Sache. Auch wenn es keine Tabelle gab.“

Mitte der 60er Jahre, als die Mannschaft erstmals auflief, sah die Welt im Revier noch anders aus als heute: „Da gab es viele Kneipen und damit viele Kneipenmannschaften.“ Einmal pro Woche traf man sich zum Training und Spiel – und fast jeden Abend am Tresen. Nach dem Motto „Elf Freunde müsst ihr sein“ verbrachte man viel Zeit miteinander. „Die älteren Spieler brachten ihre Kinder mit und die ihre Kumpel.“ Das sorgte für familiäre Atmosphäre und sicherte die Zukunft.

„Granaten dabei“

Gerne erinnert sich Ehrenpräsident Staudt an alte Zeiten und erfolgreiche Spiele. „Wir hatten Granaten dabei, an denen Vereine Interesse hatten.“ Damals wie heute kickten fußballbegeisterte Männer für die „Domspatzen“, die berufstätig waren und Familie hatten.

Dass der Name des Vereins eher an Gesang denken lässt denn an Fußball, hat historische Gründe. „Die Männer haben sich früher in der Domschenke getroffen. Und es waren viele Sänger dabei“, so Rolf Fährmann, der erste Vorsitzende. So lag es auf der Hand, dass man nach dem Spiel ins Vereinslokal ging, das Spiel Revue passieren ließ und gemeinsam sang – mit Stolz geschwellter Brust und einem Augenzwinkern, wie Günter Staudt verrät. „Das waren Lieder wie: Es gibt keinen Verein in Europa, der die Domspatzen schlägt.“

Dritte Generation spielt

Als Computer aufkamen und traditionelle Kneipen verschwanden, änderte sich vieles. „Da kamen weniger Leute zu uns. Die Älteren schieden aus, Nachwuchs fehlte“, so Staudt. „So wurde die Mannschaft geschwächt. Man hat manchmal zum Gegner gesagt: Wenn ihr genug Spieler habt, bringt sie mit. Die können dann bei uns mitspielen.“ Wären die „Domspatzen“ nicht seit jeher ein Familienverein gewesen, sie wären wohl lange nicht mehr aktiv. Bis heute spielen nicht selten Vater und Sohn in der Mannschaft. „Die Spieler, die nach uns kamen, haben schon ihre Kinder mitgebracht“, erzählt der Ehrenpräsident. „Bei uns spielt schon die dritte Generation. Nur deswegen gibt es uns noch.“ Fährmann: „Ich kenne keine Kneipenmannschaft im Umkreis, die älter ist.“

Geändert hat sich vieles, so der Vereinschef. „Die Verbindung von Kneipe und Mannschaft ist kaum noch vorhanden. Nach dem Spiel einen Trinken gehen, das gibt es nicht mehr. Aber ob wir gewinnen oder verlieren, wir feiern immer unten in der Kabine.“ Die übrigens befindet sich seit Anbeginn auf der Löchterheide. Dort spielt die Mannschaft seit 50 Jahren und weiß diese außergewöhnliche Unterstützung durch den SSV Buer zu schätzen. „Das ist etwas Besonderes und war immer unser Glück“, so Fährmann.

„Wie früher auf der Straße“

„Schon als man noch leicht einen Gegner fand, hieß es: Habt ihr einen Platz?“ So können auch heute Spiele organisiert werden. Für die hält sich die 20-köpfige Truppe wöchentlich fit, obwohl es dabei nicht um spezielle Übungen geht. Noch nicht einmal ein Trainer hilft. Fährmann: „Das machen wir alles selbst. Das Training ist ein lockeres Spiel – wie früher auf der Straße.“

 
 

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