Die Prostituierten sind aus Gelsenkirchen verschwunden

Seit Montag gilt das Verbot der Straßenprostitution an der Gelsenkirchener und Münsterstraße.
Seit Montag gilt das Verbot der Straßenprostitution an der Gelsenkirchener und Münsterstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Erleichterung in der Gelsenkirchener Siedlung "Im Eichkamp": Am Tag Eins des Verbots der Straßenprostitution wurden keine Damen mehr gesichtet.

Gelsenkirchen-Buer.. Die Sonne lachte gestern von einem stahlblauen Winterhimmel. Und nicht nur sie. Die Anwohner im Eichkamp lächelten ebenfalls: „Wir haben heute noch keine Prostituierten gesehen“, sagte ein Anwohner. In den letzten Tagen habe das bei den Bewohnern ungeliebte Gewerbe mit der käuflichen Liebe zusehends abgenommen.

Gestern war der Tag 1, an dem die neue Sperrgebietsverordnung für Gelsenkirchen und Herten galt. Mitte Dezember hatte der Regierungspräsident das Verbot der öffentlichen Prostitution während der hellen Tageszeiten erlassen. Demnach dürfen Prostituierte im gesamten Stadtgebiet von Gelsenkirchen seit gestern ihrem Job zwischen 6 und 20 Uhr während der Winterzeit nicht mehr nachgehen.

Bis zu 30 Frauen hatten ihre Dienste angeboten

Regierungspräsident Professor Reinhard Klenke hatte das Verbot zum Schutz „der Jugend und des öffentlichen Anstands“ erlassen, weil sich auf dem Straßenzug der Münster- und Gelsenkirchener Straße in den vergangenen Monaten ein Straßenstrich etabliert hatte, auf dem zeitweise bis zu 30 Frauen ihre Dienste angeboten hatten.

Zuvor hatten die Anwohner des Eichkamps und die Kleingärtner der Anlage Graf Bismarck lautstark bei der Stadt gegen die Vermüllung des Naturschutzgebietes rund um den Ewaldsee mit Kondomen protestiert. Sie fühlten sich von den Zuhältern und Freiern, aber auch von den Prostituierten bedroht. Sie störte das auffällige Werben der Frauen und das aggressive Verhalten der Männer besonders.

Flugblätter wurden verteilt

Seit dem Bekanntwerden des Erlasses am 17. Dezember haben die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes der Stadt Gelsenkirchen die Prostituierten über die neue Regelung informiert. Dazu wurden Flugblätter in verschiedenen Sprachen, unter anderem auch in Rumänisch und Bulgarisch erstellt. Darin wurden auch die drastischen Strafen aufgezeichnet, mit denen die Frauen rechnen müssen: Wer das Verbot ignoriert, wird „mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit einer Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft“.

„Das Verbot scheint sich rumgesprochen zu haben“, sagte Gelsenkirchens Stadtsprecher Martin Schulmann gestern. „Die Kollegen sind draußen, haben heute aber keine Prostituierten im Stadtgebiet angetroffen“. Ob es so bleibt? Da mag Schulmann zurzeit noch keine Prognose abgeben. „Wir müssen schauen“.

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