Die englische Gartenstadt

Bergmannsglück.. Zugegeben, „Bergmannsglück“ ist kein eigener Stadtteil, obwohl die meisten Bergmannsglücker wohl nie sagen würden, sie kämen aus Buer oder Hassel. Am Wochenende feiert die Siedlung ihre 100-jähriges Bestehen.

In den letzten 100 Jahren hat sich aus der ehemaligen Zechensiedlung eine Gemeinschaft mit einer Heimatverbundenheit entwickelt, die durchaus mit dem der Bueraner vergleichbar ist.

Angefangen hat alles im Jahr 1872. Damals wurde die Bohrgesellschaft Bergmannsglück gegründet, die allerdings gut 20 Jahre später vom preußischen Staat übernommen wurde. Der begann dann 1903 mit der Abteufung der Schächte im buerschen Norden. Schon zwei Jahre später wurde die erste Kohle gefördert.

Schon mit Beginn der Teufungsarbeiten begann auch die Planung für erste Häuser. Die sollten zunächst hohen Direktoren und Beamten aber auch den Arbeiterfamilien zur Verfügung stehen, heißt es in einer Dokumentation der Gemeinschaft Bergmannsglücker Vereine (GBV).

Mit der Planung der neu entstehenden Siedlung wurde der Kölner Gartenbau-Ingenieur Konrad Bartels beauftragt. Bartels wählte das damals noch dicht begrünte und baumbestandene Areal zwischen Uhlenbrock-, Mühlen-, Gräff und Niefeldstraße für die neue Siedlung aus.

Begonnen wurde mit dem Bau an der Uhlenbrockstraße. Dort entstanden die Verwaltungsgebäude der Bauinspektion 3 sowie die Häuser für die Direktoren und leitenden Beamten. Die Arbeiterkolonie Bergmannsglück entstand dagegen auf dem Gelände südlich der Velsenstraße.

Die Siedlung war konzipiert nach dem Vorbild englischer Gartenstädte: Die Häuser sollten individuell gestaltet sein und über großzügige Freiflächen verfügen. Hinzukamen Grünanlagen und Gärten. Dieses Muster war in der Folge richtungsweisend für viele Zechensiedlungen im gesamten Ruhrgebiet.

Die Grundsteinlegung erfolgte bereits im Jahr 1905. Da zu diesem Zeitpunkt allerdings noch niemand in der Siedlung lebte, nehmen die Bergmannsglücker die erste Erwähnung im buerschen Adressbuch als Gründungstermin ihrer Siedlung. Und die erste schriftliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1910.

Die ersten Siedler - allesamt Bergleute - hatten kein leichtes Leben unter Tage. Die Kohle wurde damals nämlich noch mühsam und in Handarbeit mit der Hacke abgeschlagen. Erst 1925 wurde der erste mechanische Abbauhammer eingeführt, der allerdings noch weit von seiner technischen Perfektion entfernt war. Erst 1930 wurde sogenannten Kettenschrämmmaschinen eingesetzt, die die Arbeit erheblich erleichterten und automatisierten. Ab 1951 wurde voll mechanisierte Maschinen eingesetzt.

Doch schon kurze zeit später bahnte sich das aus für die Zeche Bergmannsglück an. nach der Fusion mit dem Bergwerk Westerholt wurde 1961 zunächst im Bergmannsglück die Förderung eingestellt. 1975 wurde das Förderfeld komplett aufgegeben.

Die Geschichte der Siedlung wird bei den Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums an diesem Wochenende in einer Ausstellung noch einmal gezeigt. Unter anderem sind historische Ansichten, Baupläne und private Fotografien, aber auch verschiedene Ausstellungsstücke zu sehen. Im Vergleich zur bereits bei „Schachtzeichen“ gezeigten Ausstellung wurde das Angebot für das Jubiläum noch einmal erweitert.

 
 

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