Der Propst steigt gern vom Altar in die Bütt

Markus Pottbäcker (li.), heute Propst in Buer, taufte mit Christian Birse den Festwagen der KG Blau-Gelb St. Marien Oberhausen.
Markus Pottbäcker (li.), heute Propst in Buer, taufte mit Christian Birse den Festwagen der KG Blau-Gelb St. Marien Oberhausen.
Foto: Klaus Habrechtsmeier
In diesen närrischen Tagen führt Propst Markus Pottbäcker von St. Urbanus zwei Leben.In der Kirche verkündet er das Evangelium – und wenig später lebt er die Botschaft des Frohsinns auf dem Karnevalswagen seines Vereins Blau-Gelb St. Marien in Oberhausen.

Gelsenkirchen-Buer..  Raus aus dem Priestergewand, rein in die Fantasie-Uniform eines preußischen Offiziers: In diesen Tagen führt Propst Markus Pottbäcker von St. Urbanus, so könnte man meinen, zwei Leben.In der Kirche verkündet er das Evangelium – und wenig später lebt er die Botschaft des Frohsinns auf dem Karnevalswagen seines Vereins Blau-Gelb St. Marien in Oberhausen, den er 2004 mitgegründet hat. Dabei profitieren die Gläubigen in Buer durchaus von seiner jecken Leidenschaft: Verstärkte er doch beim Gemeindekarneval die Schar der Büttenredner. Und die morgige Sonntagspredigt, die gibt’s in Reimform. Tätää.

Erst „Lobe den Herren“ in Buer, dann „Drink doch ene met“ in der Karnevalsstadt Oberhausen: Dass dies kein Widerspruch ist, vielmehr logische Konsequenz – davon ist Pottbäcker (48) überzeugt. „Lachen gehört zum Christentum substanziell dazu. Wenn ich die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod habe, kann ich fröhlich und ausgelassen sein.“ Überdies gebe es Anknüpfungspunkte zwischen Katholizismus und Karnevalismus: „Es geht beiden um die Gleichheit aller. Hier ist Gott Mensch geworden, dort wird etwa ein Angestellter König.“

Seit 2002 schon wirft Pottbäcker Kamelle vom Wagen – verkleidet mal als Musketier oder Clown, mal als Schornsteinfeger oder Schotte („puh, war das kalt an den Beinen“). „In der Pfarrjugend hatten wir uns geärgert, dass die Bonbons beim Zuch nur Richtung Rathaus-Tribüne geworfen wurden. ,Wenn wir mal einen Wagen haben, machen wir es anders’, haben wir uns geschworen, mit den Organisatoren gesprochen und fürs folgende Jahr einen Anhänger organisiert.“

„Ich habe diesen Karnevalsvirus im Blut“

Das Experiment mündete 2004 in die Gründung der Karnevalsgesellschaft Blau-Gelb St. Marien, und die närrische Verbindung, sie blieb auch, als Pottbäcker längst eine eigene Gemeinde leitete.

„Ich habe diesen Karnevalsvirus im Blut. Spätestens eine Woche vor Rosenmontag werde ich ganz kribbelig. Dann muss ich Karnevalslieder hören und freue mich wie ein Kind auf den Kölner Zuch.“ Was Wunder, dass er sich da warmschunkeln muss: auch als Büttenredner, ein-, zweimal in verschiedenen Gemeinden. „Das habe ich schon als Kind im Alter von zehn, zwölf Jahren gern gemacht.“

Bedeutung als moralische Instanz

Wie er es da mit der Politik hält? „Darüber rede ich nur selten. Ich spreche lieber davon, wie man eine gute Büttenrede hält und erzähle Witze.“ Dass der Humor in Karnevalssitzungen oft schlüpfrig-frivol daherkommt: geschenkt! „Die Leute gucken bei solchen Gags immer, wie ich reagiere. Erst wenn ich lache, lachen sie auch“, weiß er sehr wohl um seine Bedeutung als moralische Instanz – auch wenn er die im geselligen Rahmen gar nicht immer sein mag. Eben deshalb schlägt sein Herz auch im närrischen Takt: „So gerne ich katholischer Priester bin: Kostümiert bin ich nicht als solcher erkennbar und muss nicht immer Fachgespräche führen.“

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